SunShine BESS Multi-Use Index

SunShine Research · BESS-Benchmark

Der SunShine BESS Multi-Use Index (SBMI) ist der quartalsweise Revenue-Stacking-Benchmark für Batterie-Großspeicher in Deutschland: Er zeigt, welche Brutto-Erlöse ein typischer 2-Stunden-Speicher über Arbitrage, FCR, aFRR und mFRR kombiniert erwirtschaftet – und wohin sich der Erlös-Stack bis 2030 entwickelt.

SunShine Research · Live-Referenzwert
163 €/kW Aktueller Referenzwert · 2026-Q1
Quartalsweiser Benchmark für Multi-Use-Bruttoerlöse stationärer Batteriespeicher in Deutschland: Arbitrage, FCR, aFRR, mFRR.

Definition: Der SunShine BESS Multi-Use Index (SBMI) misst quartalsweise die durchschnittlichen Brutto-Erlöse pro installierter kW Leistung eines typischen 2-h-LFP-Speichers in Deutschland unter Multi-Use-Vermarktung (Arbitrage + Regelenergie). Der SBMI ist ein proprietärer Research-Index der SunShine Research – ein Markt-Benchmark für Revenue Stacking, keine Anlageberatung und keine Ertragsgarantie.

Was misst der SBMI? Methodik im Überblick

Batteriespeicher verdienen ihr Geld heute nicht mehr in einem einzigen Markt, sondern in einem Portfolio aus mehreren Erlösquellen – im Fachjargon Revenue Stacking. Genau dieses Erlös-Stacking macht der SBMI messbar: Er bündelt die wichtigsten Vermarktungsschienen eines deutschen Großspeichers zu einer einzigen, quartalsweise fortgeschriebenen Kennzahl in Euro pro Kilowatt installierter Leistung und Jahr. Damit beantwortet der Index die Frage, die sich jeder Speicher-Investor stellt: Was verdient ein professionell vermarkteter Batteriespeicher in Deutschland aktuell wirklich – über alle Erlösquellen hinweg?

Als Referenz dient bewusst keine Exoten-Konfiguration, sondern der Anlagentyp, der den deutschen Zubau dominiert: ein 2-Stunden-Speicher mit Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) und 5 MWh Kapazität bei 2,5 MW Leistung. Die Kennzahl wird pro kW ausgewiesen, damit sich Projekte unterschiedlicher Größe direkt vergleichen lassen. Ausgewiesen werden Brutto-Erlöse vor Vermarktungsgebühren, Versicherung und Wartung – also die Marktleistung des Speichers, nicht die Nettorendite eines konkreten Projekts.

Der SBMI verwendet einen 2-Stunden-Speicher als Referenzkonfiguration mit 87 % Round-Trip-Wirkungsgrad und marktüblichen Vergütungs-Splits für Multi-Use-Strategien.

Parameter Wert
Speichergröße 5 MWh / 2,5 MW (2-h-Speicher)
Technologie LFP
Round-Trip-Efficiency 87 %
Verfügbarkeit 97 %
Vermarktungsstruktur 50 % aFRR + 30 % Day-Ahead-Arbitrage + 15 % FCR + 5 % Intraday

Die Vermarktungsstruktur der Referenzanlage folgt der Praxis professioneller Optimierer: Die Hälfte der Kapazität arbeitet in der Sekundärregelleistung (aFRR), knapp ein Drittel in der Day-Ahead-Arbitrage, der Rest verteilt sich auf FCR und Intraday-Optimierung. Diese Gewichtung ist keine Momentaufnahme eines einzelnen Vermarkters, sondern bildet qualitativ ab, wie Multi-Use-Portfolios in Deutschland derzeit typischerweise gefahren werden – mit der aFRR als Ankermarkt und der Arbitrage als wachsender zweiter Säule. Verschiebt sich die Marktpraxis, wird auch der Vergütungs-Split des Index zum nächsten Berichtszyklus angepasst und transparent dokumentiert.

Wichtig für die Lesart: Der SBMI besteht aus zwei Ebenen. Die Live-Komponente bildet den annualisierten Energiemarkt-Erlös einer 1-Zyklus-Referenzbatterie ab (Day-Ahead + Intraday) und folgt dem FlexPower FlexIndex. Der modellierte Multi-Use-Stack ergänzt diese Live-Zahl um Regelleistungs-Erlöse (FCR, aFRR, mFRR) als Erlöspotenzial – auf Basis der tatsächlichen Auktionsergebnisse von regelleistung.net. Beide Ebenen werden in der Index-Tabelle getrennt ausgewiesen, damit Live-Daten und Modellwerte nie vermischt werden.

Research Methodology

This index is based on a transparent institutional research framework including data-source selection, normalization logic, calculation methodology, update frequency and interpretation guidance.

Read full institutional methodology paper →

Warum Multi-Use entscheidend ist: das Ende der Einzelmarkt-Strategie

Noch vor wenigen Jahren genügte es, einen Batteriespeicher ausschließlich in der Primärregelleistung (FCR) zu vermarkten. Dieses Geschäftsmodell ist strukturell ausgelaufen – und die Daten belegen das eindeutig. Die für FCR präqualifizierte Batteriekapazität in Deutschland ist von rund 0,81 Gigawatt Anfang 2024 auf etwa 1,35 Gigawatt Anfang 2026 gestiegen. Dem steht ein durchschnittlicher Bedarf von lediglich 0,53 bis 0,56 Gigawatt pro Produkt gegenüber: Es steht also mehr als doppelt so viel qualifizierte Batterieleistung bereit, wie der Markt überhaupt abnimmt. Die Folge sind massiv gefallene Zuschlagspreise in den Pay-as-cleared-Auktionen – in Cross-Market-Optimierungen sind die realisierten FCR-Erlöse laut pv magazine um über 90 Prozent zurückgegangen.

Gleichzeitig etabliert sich die Sekundärregelleistung (aFRR) als zentrale Erlössäule: Die präqualifizierte Batterieleistung stieg dort von etwa 0,33 auf rund 1,2 Gigawatt je Richtung – bei einer Nachfrage von rund 1,9 Gigawatt je Richtung ist dieser Markt noch nicht gesättigt, und die aFRR-Kapazitätserlöse wuchsen 2025 im Zwei-Stunden-System um 39,3 Prozent. Wer heute in Batteriespeicher investiert, investiert also nicht in einen Markt, sondern in die Fähigkeit, flexibel zwischen Märkten zu wechseln.

Kernaussage: Einzelmarkt-Strategien tragen kein BESS-Investment mehr. Der Wert eines Speichers liegt in seiner Optionalität – der Fähigkeit, Erlöse dort abzugreifen, wo sie gerade entstehen. Genau diese Optionalität macht der SBMI als Benchmark sichtbar und vergleichbar.

Aktuelle Index-Werte: SBMI Q3 2026

Der SunShine BESS-Index (SBMI) bildet den live annualisierten Energiemarkt-Erlös einer 1-Zyklus-Referenzbatterie ab (Day-Ahead + Intraday) und folgt dem FlexPower FlexIndex — aktuell rund 77 EUR/kW. Die folgende Tabelle zeigt zusätzlich die modellierte Multi-Use-Aufschlüsselung inkl. Regelleistung als Erlöspotenzial.

Erlös-Pfad Q4 2025 Q3 2026
Spot-Arbitrage 49 €/kW 52 €/kW
Intraday-Optimierung 19 €/kW 21 €/kW
aFRR positiv + negativ 58 €/kW 55 €/kW
FCR 26 €/kW 23 €/kW
mFRR 9 €/kW 7 €/kW
Negative-Preis-Vermeidung 4 €/kW 5 €/kW
Multi-Use-Stack gesamt (modelliert) 165 €/kW 163 €/kW
davon Energiemarkt = SBMI (live, FlexIndex) 77 EUR/kW

Interpretation

Der live SBMI (Energiemarkt, Quelle FlexPower FlexIndex) liegt aktuell bei rund 77 EUR/kW. Im vollständigen Multi-Use-Betrieb inkl. Regelleistung erreicht ein typischer 2,5-MW-BESS modelliert bis zu rund 163 €/kW/Jahr (ca. 407.500 € Brutto-Erlöse); nach Vermarktungs-Gebühren (15–25 %), Versicherung und Wartung verbleibt eine EBITDA-Marge von 60–70 %.

Bemerkenswert ist die Verschiebung innerhalb des Stacks: Während die Regelleistungs-Komponenten (aFRR, FCR, mFRR) gegenüber dem Vorquartal nachgeben, legen Spot-Arbitrage und Intraday-Optimierung zu. Der Erlös-Mix wandert damit sichtbar vom Leistungspreis- ins Energiemarkt-Geschäft – ein Muster, das sich seit mehreren Quartalen wiederholt und die strategische Bedeutung flexibler Vermarktung unterstreicht.

Die Erlösquellen im Detail

Der SBMI bündelt sechs Erlöspfade zu einer Kennzahl. Wer den Index richtig lesen will, sollte verstehen, wie jede einzelne Quelle funktioniert – und welche Erlösquellen bewusst (noch) nicht im Index enthalten sind.

BESS Multi-Use Index: Batterie-Großspeicher (Container-BESS) am Umspannwerk in Deutschland als Referenzanlage für Revenue Stacking
Referenz des SBMI: ein netzgekoppelter 2-Stunden-Batteriespeicher, wie er den deutschen Zubau dominiert – vermarktet über Arbitrage und Regelleistung.

Spot-Arbitrage (Day-Ahead) und Intraday-Optimierung

Das Grundprinzip ist einfach: günstig laden, teuer entladen. Der Speicher kauft Strom in Stunden mit hoher Solareinspeisung und niedrigen – teils negativen – Preisen und verkauft ihn in den Abendstunden zurück. Je stärker die Photovoltaik den Tagespreis drückt, desto größer werden die Preisspreizungen und damit die Arbitrage-Erlöse. Die Intraday-Optimierung setzt darauf noch eine Stufe: Bereits vermarktete Fahrpläne werden im kontinuierlichen Handel nachjustiert, wenn sich kurzfristig bessere Preise ergeben. Ein separater Posten im Index ist die Negative-Preis-Vermeidung – der Wert, der entsteht, wenn der Speicher Ladevorgänge gezielt in Stunden mit negativen Preisen legt.

FCR – Primärregelleistung

Die FCR (Frequency Containment Reserve) stabilisiert die Netzfrequenz in den ersten Sekunden nach einer Störung. Vergütet wird die bloße Vorhaltung von Leistung, versteigert in Vier-Stunden-Blöcken. Batteriespeicher sind dafür technisch ideal – genau deshalb ist dieser Markt heute der am stärksten gesättigte: Mit 1,35 GW präqualifizierter Batteriekapazität bei nur gut 0,5 GW Bedarf ist die FCR im Index nur noch mit 15 Prozent der Vermarktungsstruktur gewichtet – als solider, aber schrumpfender Sockelerlös.

aFRR – Sekundärregelleistung als Ankermarkt

Die aFRR (automatic Frequency Restoration Reserve) übernimmt nach wenigen Sekunden und löst die FCR ab. Sie vergütet zweifach: einen Leistungspreis für die Vorhaltung und einen Arbeitspreis für tatsächlich abgerufene Energie. Im SBMI ist die aFRR mit 50 Prozent der Vermarktungsstruktur der Ankermarkt – und aktuell die größte Einzelposition im Erlös-Stack. Wie sich FCR und aFRR im Detail unterscheiden, welche Anforderungen gelten und warum die aFRR für 2-Stunden-Speicher besonders attraktiv ist, erklärt unsere Detailanalyse aFRR vs. FCR.

mFRR – Minutenreserve

Die mFRR (manual Frequency Restoration Reserve) ist die dritte Stufe der Regelleistung und wird manuell aktiviert. Für Batteriespeicher ist sie ein Ergänzungsmarkt mit vergleichsweise kleinem, aber stabilem Beitrag – im aktuellen Index-Quartal 7 €/kW. Ihr strategischer Wert liegt weniger in der Höhe als in der zusätzlichen Diversifikation des Portfolios.

Vermiedene und reduzierte Netzentgelte (§ 19 StromNEV) – nicht im Index

Jenseits der Strom- und Regelleistungsmärkte existiert eine regulatorische Erlösebene: die Netzentgelte. § 19 Abs. 2 StromNEV eröffnet individuelle Netzentgelte für atypische oder besonders intensive Netznutzung, § 19 Abs. 4 StromNEV sieht für reine Speicher, die Strom ausschließlich zur Zwischenspeicherung entnehmen und wieder einspeisen, ein spezielles individuelles Netzentgelt vor. Diese Effekte sind hochgradig projekt- und standortspezifisch – sie hängen von Netzebene, Lastprofil und Verteilnetzbetreiber ab. Der SBMI weist sie deshalb bewusst nicht als Index-Komponente aus, sondern behandelt sie qualitativ: Für ein konkretes Projekt können sie den Business Case spürbar verbessern, für einen standardisierten Benchmark sind sie zu heterogen.

Redispatch und „Nutzen statt Abregeln“ (§ 13k EnWG) – perspektivisch

Eine perspektivische Erlösquelle entsteht aus dem Netzengpassmanagement: Mit § 13k EnWG („Nutzen statt Abregeln“) sollen flexible Verbraucher – ausdrücklich auch Batteriespeicher – Strom aufnehmen, der sonst abgeregelt würde. Nach der Erprobungsphase geht das Instrument ab Oktober 2026 in ein Zielmodell mit wettbewerblichen Auktionen über. Für Speicher an netztechnisch günstigen Standorten kann daraus mittelfristig ein zusätzlicher Erlöspfad werden. Der SBMI beobachtet diese Entwicklung, nimmt sie aber erst dann als Komponente auf, wenn belastbare, reproduzierbare Marktdaten vorliegen – Transparenz geht vor Vollständigkeit.

Trend: Warum der Erlös-Stack strukturell sinkt

Der Erlös-Stack ist seit 2024 strukturell gesunken — Treiber sind sinkende PRL-Preise und zunehmende Speicher-Kapazität im deutschen Markt.

  • Steigende Spot-Arbitrage-Spreads durch wachsende Solar-Volatilität
  • Sinkende Regelenergie-Leistungspreise durch BESS-Liquiditätszunahme
  • Langfristig Spread-Erosion bei weiter wachsender Speicher-Kapazität (BMWK Forecast 2030: 25–35 GW BESS)

Historische Zeitreihe SBMI 2024–2026

Die quartalsweise Zeitreihe dokumentiert den BESS-Erlös-Stack seit Q1 2024 mit Aufteilung nach Vermarktungsschiene.

Quartal SBMI Total (€/kW/Jahr) aFRR-Anteil Arbitrage-Anteil
Q1 2024 185 76 €/kW 62 €/kW
Q2 2024 178 72 €/kW 59 €/kW
Q3 2024 171 68 €/kW 56 €/kW
Q4 2024 173 65 €/kW 58 €/kW
Q1 2025 170 63 €/kW 56 €/kW
Q2 2025 168 60 €/kW 55 €/kW
Q3 2025 167 58 €/kW 53 €/kW
Q4 2025 165 58 €/kW 49 €/kW
Q3 2026 163 55 €/kW 52 €/kW

SBMI fällt seit Q1 2024 um rund 12 Prozent. Dominanter Treiber ist der Rückgang der Regelenergie-Leistungspreise infolge wachsender BESS-Liquidität (Pipeline +120 Prozent 2024–2026). Spot-Arbitrage stabilisiert sich Q3 2026 leicht durch zunehmende Strompreis-Volatilität. Erwartung 2026 Gesamtjahr: 158 €/kW (Base), 141 €/kW (Stress).

Forecast 2026–2030

Die folgende Forecast-Tabelle zeigt die SBMI-Bandbreite bis 2030 in zwei Szenarien (Base und Stress) in €/kW/Jahr.

Jahr SBMI Base SBMI Stress
2026 158 €/kW 141 €/kW
2028 142 €/kW 118 €/kW
2030 121 €/kW 92 €/kW

Das Base-Szenario unterstellt einen geordneten weiteren Speicherzubau bei anhaltend hoher Strompreis-Volatilität: Die Regelleistungs-Erlöse geben weiter nach, werden aber teilweise durch wachsende Arbitrage-Spreads kompensiert. Das Stress-Szenario kombiniert verzögerten Speicher-Ausbau mit beschleunigter Spread-Erosion – der ungünstigste realistische Pfad für Bestandsanlagen. Beide Pfade zeigen dieselbe Richtung: Wer einen BESS-Business-Case auf den Erlösniveaus von 2024 rechnet, rechnet falsch. Seriöse Kalkulationen arbeiten mit fallenden Erlöskurven und prüfen die Schuldendienstfähigkeit auch im Stress-Fall.

Wie Investoren den SBMI nutzen

Der SBMI ist als Arbeitsinstrument für Investitionsentscheidungen konzipiert – nicht als akademische Übung. In der Praxis haben sich vier Anwendungsfälle etabliert:

Revenue Stacking Batteriespeicher: Leitwarte eines Energiehändlers – Multi-Use-Vermarktung von BESS zwischen Spotmarkt und Regelleistung
Multi-Use in der Praxis: Optimierer verschieben Speicherkapazität laufend zwischen Day-Ahead, Intraday und Regelleistungsmärkten.

1. Vermarkter-Angebote plausibilisieren. Wer ein Erlösversprechen für einen Speicher erhält, kann es gegen den aktuellen Index-Wert spiegeln: Liegt das Angebot deutlich über dem SBMI, sollte der Anbieter erklären können, woraus die Überrendite stammt – liegt es deutlich darunter, ist Verhandlungsspielraum wahrscheinlich.

2. Business Cases stresstesten. Die Forecast-Szenarien liefern realistische Bandbreiten für die Erlösannahmen in Finanzmodellen. Ein Projekt, das nur im Base-Szenario funktioniert, trägt ein anderes Risiko als eines, das auch bei 92 €/kW im Jahr 2030 noch seinen Kapitaldienst leistet.

3. Bestandsanlagen benchmarken. Betreiber können die tatsächlich realisierten Erlöse ihrer Anlage quartalsweise gegen den Index legen. Bleibt die eigene Anlage systematisch hinter dem SBMI zurück, lohnt der Blick auf Vermarktungsstruktur, Verfügbarkeit oder Vertragskonditionen.

4. Markteintritt timen. Die Zeitreihe zeigt, in welcher Phase des Erlöszyklus sich der Markt befindet. Fallende Stack-Erlöse bei gleichzeitig fallenden Speicherpreisen können ein attraktives Einstiegsfenster bedeuten – entscheidend ist das Verhältnis aus Investitionskosten und erwartbarem Erlöspfad, nicht der absolute Index-Stand.

Grenzen des Index: Was der SBMI nicht kann

Zu einem seriösen Research-Produkt gehört die klare Benennung der eigenen Grenzen. Der SBMI ist ein Modell-Benchmark – und ein Modell ist immer eine Vereinfachung der Realität:

  • Brutto, nicht netto: Der Index weist Brutto-Erlöse aus. Vermarktungsgebühren (typisch 15–25 %), Versicherung, Wartung, Netzanschlusskosten und Degradation sind projektspezifisch abzuziehen.
  • Modelliert, nicht garantiert: Der Multi-Use-Stack ist ein modelliertes Erlöspotenzial auf Basis realer Marktdaten – kein realisierter Durchschnitt aller deutschen Anlagen. Einzelne Anlagen können deutlich darüber oder darunter liegen.
  • Standort zählt: Netzanschluss, Baukostenzuschüsse, regionale Redispatch-Situation und Netzentgelt-Effekte nach § 19 StromNEV kann ein bundesweiter Index nicht abbilden.
  • Kein regulierter Benchmark: Der SBMI ist eine freiwillige Marktbeobachtung ohne Status nach der EU-Benchmark-Verordnung (BMR). Für regulierte Anwendungen sind separate Strukturen erforderlich.
  • Keine Anlageberatung: Der Index informiert über Marktentwicklungen. Er ersetzt weder eine technische Due Diligence noch eine individuelle Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Einordnung: Der SBMI in der SunShine-Research-Familie

Der SBMI ist Teil eines abgestimmten Research-Programms zu Energie-Infrastruktur in Deutschland. Die Marktdaten- und Analyse-Plattform SunShine Research bündelt alle Indizes und Reports; die BESS-spezifische Analyse-Ebene liefert Storage Research Deutschland mit Marktdaten, Preisentwicklung und Trends. Den quartalsweisen Blick auf den Gesamtmarkt – Zubau, Preise, Projektpipeline – ergänzt der BESS-Marktbericht. Der SBMI übernimmt in dieser Familie die Rolle des Erlös-Benchmarks: Während Marktberichte beschreiben, was im Markt passiert, quantifiziert der SBMI, was ein Speicher damit verdient. Die vollständige Berechnungsmethodik ist im Methodology Paper offengelegt.

Quartalskommentar Q3 2026

Der SBMI sank gegenüber Q4 2025 um rund 1 % auf 163 €/kW/Jahr. Wesentlicher Treiber bleibt der Rückgang der aFRR-Leistungspreise infolge der weiter wachsenden BESS-Liquidität (deutsche Pipeline Q3 2026: 4,2 GW). Spot-Arbitrage-Erlöse stabilisieren sich leicht durch zunehmende Strompreis-Volatilität. Erwartung 2026 Gesamtjahr: 158 €/kW (Base) bzw. 141 €/kW (Stress) bei verzögertem Speicher-Ausbau und beschleunigter Spread-Erosion.

Datenquellen

Der SBMI nutzt öffentliche Daten von regelleistung.net (PRL, SRL), EEX/EPEX Spot sowie intern aufbereitete Co-Location-Cases aus deutschen BESS-Projekten.

  • regelleistung.net (Regelenergie-Auktionen)
  • EEX/EPEX Spot Day-Ahead und Intraday
  • SunShine Research eigene Multi-Use-Optimierungs-Modelle

Wichtigste Erkenntnisse

  • SBMI quantifiziert quartalsweise den Multi-Use-Erlös-Stack deutscher Großspeicher.
  • Referenzkonfiguration: 2-Stunden-LFP-Speicher (5 MWh / 2,5 MW) mit 87 % Round-Trip-Wirkungsgrad.
  • Datenquellen: regelleistung.net (PRL/SRL), EEX/EPEX Spot und Co-Location-Cases.
  • Strukturell rückläufig seit 2024 — Treiber sind PRL-Preisdruck und wachsende BESS-Kapazität.
  • FCR ist gesättigt (1,35 GW präqualifiziert vs. rund 0,55 GW Bedarf) — Multi-Use ist Pflicht.
  • Forecast 2026–2030 in Szenarien: Base und Stress (verzögerter Speicher-Ausbau).
  • Quartalsweise Aktualisierung; historische Zeitreihe seit Q1 2024.

Speicher-Cluster

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Fazit

Der SunShine BESS Multi-Use Index macht sichtbar, was im deutschen Speichermarkt tatsächlich verdient wird: aktuell rund 163 €/kW/Jahr im modellierten Multi-Use-Stack – mit strukturell fallender Tendenz bei den Regelleistungs-Erlösen und wachsender Bedeutung der Arbitrage. Die Einzelmarkt-Ära ist vorbei; wer investiert, braucht Multi-Use-Vermarktung, realistische Erlöspfade und einen Business Case, der auch das Stress-Szenario übersteht. Genau dafür liefert der SBMI die quartalsweise Referenz.

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Weiterführend: Großspeicher-Investment · Batteriespeicher-Investment · aFRR vs. FCR im Vergleich · BESS-Marktbericht · Aktuelle EEG-Sätze & Marktdaten

FAQ zum BESS Multi-Use Index

Was ist der SunShine BESS Multi-Use Index (SBMI)?

Der SBMI ist ein proprietärer Research-Index der SunShine Research. Er misst quartalsweise die durchschnittlichen Brutto-Erlöse pro installierter kW Leistung eines typischen 2-Stunden-LFP-Speichers (5 MWh / 2,5 MW) in Deutschland unter Multi-Use-Vermarktung. In den Index fließen Spot-Arbitrage, Intraday-Optimierung, FCR, aFRR, mFRR und die Negative-Preis-Vermeidung ein. Damit macht der SBMI die Erlösentwicklung deutscher Batterie-Großspeicher über Quartale hinweg vergleichbar – als Benchmark für Investoren, Betreiber und Projektentwickler, nicht als Ertragsgarantie für ein einzelnes Projekt.

Was bedeutet Revenue Stacking bei Batteriespeichern?

Revenue Stacking (Erlös-Stacking) bezeichnet die Kombination mehrerer Erlösquellen mit derselben Batterie: Ein Speicher handelt am Day-Ahead- und Intraday-Markt (Arbitrage), hält gleichzeitig Regelleistung für die Netzstabilität vor (FCR, aFRR, mFRR) und vermeidet Ladevorgänge zu ungünstigen Preisen. Der Vorteil liegt in der Diversifikation: Fällt eine Erlösquelle – wie zuletzt die FCR – strukturell ab, können andere Schienen das kompensieren. Professionelle Optimierer verschieben die Kapazität dynamisch dorthin, wo die Erlöse gerade am höchsten sind. Genau diesen kombinierten Erlös-Stack bildet der SBMI als Kennzahl ab.

Welche Erlösquellen fließen in den SBMI ein – und welche nicht?

Enthalten sind sechs Erlöspfade: Spot-Arbitrage (Day-Ahead), Intraday-Optimierung, aFRR (positiv und negativ), FCR, mFRR sowie die Negative-Preis-Vermeidung. Bewusst nicht enthalten sind Erlös- und Kosteneffekte, die zu projekt- oder standortspezifisch für einen bundesweiten Benchmark sind: individuelle Netzentgelte nach § 19 StromNEV, künftige Erlöse aus dem Netzengpassmanagement nach § 13k EnWG („Nutzen statt Abregeln“) sowie etwaige Kapazitätsmechanismen. Diese Ebenen behandelt der Report qualitativ – sie werden erst dann Index-Komponente, wenn belastbare, reproduzierbare Marktdaten vorliegen.

Warum reicht eine reine FCR-Vermarktung nicht mehr aus?

Weil der FCR-Markt gesättigt ist. Die für Primärregelleistung präqualifizierte Batteriekapazität in Deutschland stieg von rund 0,81 GW Anfang 2024 auf etwa 1,35 GW Anfang 2026 – bei einem durchschnittlichen Bedarf von nur 0,53 bis 0,56 GW pro Produkt. Es konkurriert also mehr als doppelt so viel Batterieleistung um den Markt, wie dieser abnimmt. Die Zuschlagspreise sind entsprechend gefallen; in Cross-Market-Optimierungen gingen die realisierten FCR-Erlöse laut pv magazine um über 90 Prozent zurück. Ein Speicher, der nur FCR vermarktet, verschärft sein Erlösrisiko daher massiv – Multi-Use-Strategien mit aFRR und Arbitrage sind heute der Standard.

Was ist der Unterschied zwischen dem Live-SBMI und dem modellierten Multi-Use-Stack?

Der Live-SBMI bildet den annualisierten Energiemarkt-Erlös einer 1-Zyklus-Referenzbatterie ab (Day-Ahead + Intraday) und folgt dem FlexPower FlexIndex – er beruht damit auf laufend aktualisierten Marktdaten. Der modellierte Multi-Use-Stack ergänzt diese Live-Komponente um Regelleistungs-Erlöse aus FCR, aFRR und mFRR auf Basis der tatsächlichen Auktionsergebnisse von regelleistung.net und weist so das volle Erlöspotenzial eines professionell vermarkteten Speichers aus – aktuell rund 163 €/kW/Jahr. Beide Ebenen werden in der Index-Tabelle getrennt ausgewiesen, damit Live-Daten und Modellwerte klar unterscheidbar bleiben.

Wer berechnet den SBMI und auf welcher Datenbasis?

Der Index wird von SunShine Research berechnet. Datenbasis sind öffentlich verfügbare Marktdaten: die Regelenergie-Auktionsergebnisse von regelleistung.net (FCR, aFRR, mFRR), die Day-Ahead- und Intraday-Preise von EEX/EPEX Spot sowie ergänzende Quellen der Bundesnetzagentur und einschlägiger Branchen-Studien. Für die Live-Komponente folgt der SBMI dem FlexPower FlexIndex. Hinzu kommen intern aufbereitete Co-Location-Cases aus deutschen BESS-Projekten und eigene Multi-Use-Optimierungsmodelle. Die vollständige Berechnungslogik ist im öffentlich zugänglichen Methodology Paper dokumentiert – von der Datenquellen-Auswahl bis zur Normalisierung.

Wie oft wird der SBMI aktualisiert?

Der SBMI wird quartalsweise fortgeschrieben. Veröffentlichungsdatum ist immer der jeweils erste Werktag eines neuen Berichtszyklus; der aktuelle Datenstand ist im Index-Datenkopf und im Disclaimer der Seite ausgewiesen. Die historische Zeitreihe reicht bis Q1 2024 zurück und wird mit jedem Quartal um einen Datenpunkt ergänzt, sodass Trendbrüche und Strukturverschiebungen im Erlös-Stack – etwa die Verlagerung von Regelleistung zu Arbitrage – nachvollziehbar bleiben. Zwischen den Quartalsterminen wird die Live-Komponente (Energiemarkt-Erlös) laufend über den FlexPower FlexIndex aktualisiert.

Kann ich den SBMI für meine Investitionsentscheidung nutzen?

Ja – als Benchmark und Plausibilisierungsinstrument, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage. Sinnvolle Anwendungen: Erlösversprechen von Vermarktern gegen den Index spiegeln, Finanzmodelle mit den Forecast-Szenarien (Base und Stress) stresstesten, realisierte Erlöse von Bestandsanlagen quartalsweise benchmarken und den Markteintritt anhand der Zeitreihe einordnen. Zu beachten: Der Index weist Brutto-Erlöse aus – Vermarktungsgebühren (typisch 15–25 %), Versicherung, Wartung und projektspezifische Faktoren wie Netzanschluss sind separat zu kalkulieren. Der SBMI ersetzt keine individuelle Wirtschaftlichkeitsrechnung und ist keine Anlageberatung.

Ist der SBMI ein regulierter Benchmark nach der EU-Benchmark-Verordnung (BMR)?

Nein. Der SBMI und die übrigen SunShine-Research-Indizes sind freiwillige Marktbeobachtungen ohne Status nach der EU Benchmark Regulation (BMR). Sie dürfen daher nicht als Referenzwert für Finanzinstrumente oder Finanzkontrakte im Sinne der Verordnung verwendet werden. Für regulierte Anwendungen – etwa die Verwendung in strukturierten Produkten oder vertraglichen Preisformeln – sind separate Strukturen erforderlich, die auf Anfrage geprüft werden können. Für den eigentlichen Zweck des Index, die transparente Marktbeobachtung und Investment-Plausibilisierung, ist der BMR-Status ohne Bedeutung.

Können der SBMI und andere SunShine-Indizes lizenziert werden?

Ja. Für institutionelle Lizenzierung, Whitelabel-Verwendung oder Datenfeeds ist SunShine Research unter research@sunshinesales.de erreichbar. Die Indizes werden ab Veröffentlichungsdatum rollierend dokumentiert; historische Datenreihen werden auf Anfrage ausgewiesen – etwa für Banken, Projektentwickler oder Fonds, die den SBMI in eigene Modelle, Kreditprüfungen oder Marktberichte integrieren möchten. Auch quartalsweise Datenlieferungen mit Aufschlüsselung nach Vermarktungsschiene (Arbitrage, FCR, aFRR, mFRR) sind möglich. Die Konditionen richten sich nach Verwendungszweck und Umfang der Nutzung.

So zitieren Sie diesen Report

Referenz-ID: SBMI-2026-Q1
Veröffentlicht: 2026-04-10
Letzte Aktualisierung: 2026-07-10
Autor: Markus Schebitz, SunShine Research
Datenstand: Q3 2026
Quellenklasse: Tier 1 + Tier 2 (öffentliche Marktdaten + Branchen-Studien)

SunShine Research (2026): SunShine BESS Multi-Use Index Q3 2026.
URL: https://sunshineenergy.de/sunshine-bess-multi-use-index/
Referenz: SBMI-2026-Q1
Datenstand & Disclaimer
Datenstand Q3 2026. Allgemeine fachliche Information, keine Anlageberatung. Quellen: BNetzA, ACER, EEX, EPEX Spot, BSW-Solar, BVES, BDEW, Fraunhofer ISE, Aurora Energy Research, BloombergNEF, Pexapark, LevelTen Energy, BMWK, IRENA, IEA, BSI. SunShine Research veröffentlicht Marktdaten ohne Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität.

Über den Autor: Markus Schebitz ist Geschäftsführer der SunShine Sales GmbH und seit über 15 Jahren in der gewerblichen Photovoltaik tätig – verantwortlich für über 200 realisierte Solaranlagen. Mehr erfahren

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