Photovoltaik hält länger als gedacht: Schweizer Studie beweist 30+ Jahre Modulleistung

Photovoltaik hält länger als gedacht: Schweizer Studie beweist 30+ Jahre Modulleistung

ALLGEMEIN

💡Zusammenfassung (TL;DR)

Nur 0,24 % Leistungsverlust pro Jahr — dreimal langsamer als erwartet. Was die Langzeitstudie der Fachhochschule Südschweiz für Gewerbe-PV-Investoren

Nur 0,24 % Leistungsverlust pro Jahr — dreimal langsamer als erwartet. Was die Langzeitstudie der Fachhochschule Südschweiz für Gewerbe-PV-Investoren

Photovoltaik hält länger als gedacht: Schweizer Studie beweist 30+ Jahre Modulleistung

Nur 0,24 % Leistungsverlust pro Jahr — dreimal langsamer als erwartet. Was die Langzeitstudie der Fachhochschule Südschweiz für Gewerbe-PV-Investoren bedeutet.

photovoltaik und eeg – Photovoltaik Investment für Unternehmer | SunShine Sales GmbH

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0,24%
Degradation pro Jahr
>80%
Restleistung nach 30 Jahren
50+
Jahre Laufzeit möglich
6
Anlagen untersucht (1987–1993)

Die Garantie auf Solarmodule beträgt üblicherweise 25 bis 30 Jahre. Aber was passiert danach? Sind die Module dann wertlos – oder liefern sie immer noch? Ein Forschungsteam der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI) hat genau das untersucht. Die im April 2025 veröffentlichte Studie analysierte sechs Photovoltaikanlagen aus den Jahren 1987 bis 1993 – mit überraschendem Ergebnis.

Für Gewerbe-PV-Investoren, die 150-kWp-Anlagen und mehr planen, hat das handfeste wirtschaftliche Konsequenzen. Denn je länger eine Anlage läuft, desto höher die Rendite – und desto attraktiver die Amortisationsrechnung.

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Die SUPSI-Studie: 20 Jahre Monitoring-Daten ausgewertet

Unter der Leitung von Ebrar Özkalay analysierte das SUPSI-Team sechs PV-Anlagen an verschiedenen Schweizer Standorten – vom Tiefland bis in hochalpine Lagen. Die Module stammen aus den Baujahren 1987 bis 1993 und waren zum Zeitpunkt der Auswertung über 30 Jahre alt.

Die 4 zentralen Erkenntnisse

Erkenntnis Wert Bedeutung für Investoren
Durchschnittliche Degradation 0,24 % pro Jahr 3× langsamer als die üblichen 0,7 %/Jahr — längere Renditephase
Restleistung nach 30 Jahren >80 % Garantieversprechen der Hersteller wird in der Praxis übertroffen
Hochalpin vs. Tiefland 0,11 % vs. 0,35 % Temperatur ist der Degradations-Treiber — moderate Standorte optimal
Potenzielle Gesamtlaufzeit 50+ Jahre Wirtschaftlichkeitsrechnung neu denken — doppelte EEG-Laufzeit

Temperatur als entscheidender Faktor: Warum das Flachland mehr fordert

Eine der überraschendsten Erkenntnisse: Der Standort bestimmt maßgeblich, wie schnell Module altern. Die Studie unterscheidet klar zwischen zwei Szenarien:

  • Hochalpine Standorte (Degradation 0,11 %/Jahr): Kühlere Durchschnittstemperaturen trotz extremer Wetterereignisse. Die Module bleiben im Schnitt 20 °C kühler als im Tiefland.
  • Tieflagen-Standorte (Degradation 0,35 %/Jahr): Moduloberflächen können im Sommer 74–80 °C erreichen. Dauerhafter thermischer Stress beschleunigt die Materialermüdung.

Für Gewerbedächer in Deutschland bedeutet das: Gut hinterlüftete Aufdach-Montage ist Gold wert. Eine Aufständerung mit 10–15 cm Luftspalt zwischen Modul und Dach senkt die Betriebstemperatur signifikant — und verlängert die Lebensdauer. Bei Flachdächern mit Ost/West-Aufständerung ist die natürliche Querlüftung ein zusätzlicher Vorteil.

💡 Praxis-Tipp: Achten Sie bei der Planung auf ausreichende Hinterlüftung Ihrer Module. 10 cm Abstand zum Dach reduzieren die Betriebstemperatur um 5–8 °C — über 30 Jahre summiert sich das zu messbar langsamerer Degradation. Ein Detail, das in der Wirtschaftlichkeitsberechnung oft unterschätzt wird.

Materialqualität: Was Module von 1987 von heutigen unterscheidet

Die Studie belegt eindrücklich: Die Qualität der verbauten Materialien entscheidet über die Lebensdauer. Zwei Beispiele aus der Untersuchung:

Fall 1: EVA-Vergilbung (Möhlin, Baujahr 1987)

Die ältesten untersuchten Module (AM55) wurden noch ohne UV-Stabilisatoren im EVA-Einbettmaterial gefertigt. Die Folge: »Photo-oxidative Degradation« — das Material vergilbt und löst sich stellenweise ab. Nach 1987 verbesserte die Industrie das EVA schrittweise durch UV-Stabilisatoren und Antioxidantien. Heutige Module verwenden mehrschichtige Verkapselungsmaterialien, die für 30+ Jahre UV-Stabilität ausgelegt sind.

Fall 2: Lötverbindungen (Burgdorf, zwei Modultypen)

Am Standort Tiergarten waren zwei Modultypen (SM55 und SM55-HO) unter identischen Bedingungen auf demselben Dach installiert. Die SM55-Module zeigten im Labortest rund doppelt so hohe Leistungsverluste wie die HO-Variante. Ursache: Wiederkehrende Lötverbindungsbrüche, die zu erhöhtem Serienwiderstand führten. Moderne Module setzen auf Multi-Busbar-Technologie und halbzellenverschaltete Designs, die diese Schwachstelle eliminieren.

Was bedeutet das für Gewerbe-PV-Investoren?

Die Studie liefert keine direkten Daten zu heutigen Modulen. Aber die Richtung ist klar: Wenn 30 Jahre alte Technik noch >80 % Leistung liefert, werden moderne Module mit optimierten Materialien mindestens gleich gut — wahrscheinlich besser — abschneiden.

Die 3 wichtigsten Implikationen für Ihre Investition

  1. Rendite-Rechenfehler korrigieren: Viele Wirtschaftlichkeitsberechnungen kalkulieren mit 20 Jahren Nutzungsdauer und 0,7 % jährlicher Degradation. Die Studie legt nahe: 30+ Jahre und 0,3 % Degradation ist die realistischere Annahme. Das macht bei einem 400-kWp-Projekt einen sechsstelligen Unterschied im Net Present Value.
  2. Dachflächen-Verträge länger denken: Wenn die Module 40+ Jahre halten, ist ein 20-Jahres-Pachtvertrag zu kurz. Verhandeln Sie Verlängerungsoptionen mit dem Dacheigentümer — oder sichern Sie sich das Dach direkt per langfristigem Nutzungsvertrag.
  3. Höhere Kaufpreise bei Anlagenverkauf: Eine 10 Jahre alte Anlage galt bisher als »halb abgeschrieben«. Mit der neuen Datenlage sind 10 Jahre erst der Anfang — das steigert den Wiederverkaufswert gebrauchter Anlagen erheblich.

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Heutige Module: Noch robuster als die Oldies von 1987

Die untersuchten Module stammen aus den Jahren 1987–1993. Seitdem hat sich die Technologie fundamental weiterentwickelt. Moderne Hochleistungsmodule bieten gegenüber den Altmodellen mehrere Degradations-Vorteile:

  • Multi-Busbar (MBB): Statt 2–3 breiten Lötbändchen setzen heutige Module auf 9–16 dünne Drähte. Das reduziert den Serienwiderstand, minimiert Mikrorisse — und das Risiko von Lötverbindungsbrüchen, die in der Studie als Hauptfehlerquelle der SM55-Module identifiziert wurden.
  • Halbzellen-Design: Halbierte Zellen bedeuten halbierten Strom pro String — und halbierte ohmsche Verluste. Weniger Hitzeentwicklung = weniger thermischer Stress = langsamere Degradation.
  • Bifaziale Module: Die Glas-Glas-Bauweise eliminiert die rückseitige Polymerfolie, die bei älteren Modulen verspröden und Feuchtigkeit eindringen lassen kann. Bifaziale Module haben in beschleunigten Alterungstests (PID, LID, LeTID) durchgehend bessere Werte.
  • UV-stabilisierte Verkapselung: Polyolefin-Elastomere (POE) statt EVA — null Vergilbungsrisiko. Die »photo-oxidative Degradation«, die die Studie bei den 1987er-Modulen dokumentiert, ist bei modernen POE-verkapselten Modulen physikalisch nicht mehr möglich.

Über den Autor

Markus Schebitz, Geschäftsführer SunShine Group – Seit über 23 Jahren realisiert die SunShine Group gewerbliche PV-Projekte ab 150 kWp in Deutschland. Mit über 190 installierten Anlagen und einem Team aus Ingenieuren und Steuerberatern betreuen wir Investoren von der Planung bis zur laufenden Betriebsführung – für maximale Rendite über die gesamte Anlagenlebensdauer.

Quelle: Özkalay, E. et al. (2025), SUPSI — Langzeitstudie zur Degradation von PV-Modulen in der Schweiz. Zuletzt aktualisiert: 2. Mai 2026

Häufig gestellte Fragen zur Modul-Lebensdauer


Garantiert der Hersteller wirklich 80 % Leistung nach 25 Jahren?
Ja — das ist der Industriestandard. Premium-Hersteller wie Trina Solar, LONGi und JA Solar geben sogar 84,8 % nach 25 Jahren schriftlich. Die SUPSI-Studie zeigt jedoch, dass reale Module diesen Wert deutlich übertreffen: Die untersuchten 30+ Jahre alten Module lieferten noch >80 %. Moderne Module mit Multi-Busbar, Halbzellen und POE-Verkapselung dürften sogar noch langlebiger sein.

Rechnet sich eine PV-Anlage mit 40 Jahren Laufzeit anders als mit 20?
Erheblich. Ein Beispiel: 400-kWp-Anlage, 400.000 € Investition, 30 % Grenzsteuersatz (GmbH). Bei 20 Jahren und 0,7 % Degradation liegt der kumulierte Nettoertrag (nach Steuern) bei ca. 650.000 €. Bei 40 Jahren und 0,3 % Degradation steigt er auf über 1.100.000 € — fast eine Verdopplung. Hinzu kommen Steuervorteile (IAB, Sonder-AfA), die die Amortisation auf 4–6 Jahre verkürzen.

Was kann ich tun, damit meine Module länger halten?
Drei Maßnahmen mit der größten Hebelwirkung: (1) Hinterlüftung: Mindestens 10 cm Abstand zwischen Modul und Dach. Senkt die Betriebstemperatur um 5–8 °C. (2) Qualitätsmodule: Auf MBB-Technologie, Halbzellen-Design und POE-Verkapselung achten. (3) Monitoring: Automatische Ertragsüberwachung mit Alarmierung bei Abweichung >5 %. Defekte Strings frühzeitig erkennen und tauschen — ein defektes Modul zieht den ganzen String runter.

Was passiert mit der EEG-Vergütung nach 20 Jahren?
Die EEG-Einspeisevergütung läuft nach 20 Jahren aus. Danach können Sie den Strom entweder über einen Direktvermarkter zu Börsenpreisen verkaufen (aktuell ~5–8 ct/kWh) oder — wirtschaftlich attraktiver — den Eigenverbrauchsanteil maximieren. Wenn Ihre Module nach 20 Jahren noch 93 % ihrer Leistung bringen (0,35 % Degradation), rechnet sich Eigenverbrauch zu vermiedenen Bezugskosten von 20–25 ct/kWh sehr deutlich. Ein Batteriespeicher erhöht die Eigenverbrauchsquote auf 70–80 %.

Gilt die Studie auch für deutsche Standorte?
Die Schweizer Tieflagen sind mit deutschen Standorten vergleichbar (ähnliche Sonneneinstrahlung, ähnliche Temperaturen). Die in der Studie gemessenen 0,35 % Degradation pro Jahr für Tieflagen sind daher ein realistischer Richtwert für Deutschland. Alpine Standorte mit 0,11 % sind in Deutschland selten — aber küstennahe Standorte mit kühlenden Seewinden können ähnlich gute Werte erreichen.

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