Photovoltaik-Glossar

Unterkonstruktion Photovoltaik

💡 Definition & Kurzerklärung

Die Unterkonstruktion – häufig auch Montagesystem oder Mounting genannt – verbindet die Solarmodule mit der tragenden Dach- oder Bodenstruktur. Sie überträgt Wind-, Schnee- und Eigenlasten in die tragende Konstruktion, gewährleistet die Modulausrichtung und sichert über 25–30 Jahre die mechanische Integrität der Anlage. Eine fehlerhaft dimensionierte Unterkonstruktion ist eine der häufigsten Schadensursachen bei Photovoltaikanlagen.

Unterkonstruktion Photovoltaik: Funktion und Bedeutung

Systemtypen 2026

System Anwendung Typische Befestigung
Aufdach Ziegel Privat-Schrägdach Dachhaken, Sparrenanker
Aufdach Trapezblech Gewerbe-Schrägdach Dünnblech-Schrauben oder Stehfalzklemmen
Stehfalz Industrie-Dachhalle Stehfalzklemme klemmend
Aufständerung Flachdach Industrie-Bitumen Ballastiert oder durchdringend
Indach Neubau Architekturdach Modul ersetzt Eindeckung
Freiflächen-Tisch Solarpark Pfahl gerammt oder Schraubfundament
Single-Axis-Tracker Großanlagen Freifläche Pfahl mit Drehmechanik

Materialien

  • Aluminium (EN AW 6063 T6, eloxiert): Standardmaterial für Profile und Klemmen – leicht, korrosionsbeständig, statisch leistungsfähig
  • Edelstahl A2/A4: Befestigungselemente, Schrauben, Klemmen
  • Feuerverzinkter Stahl: Hauptträger bei Freifläche und Aufständerung
  • EPDM-Dichtungen: Durchdringungs-Abdichtung bei Aufdach-Systemen

Mischbauteile aus Aluminium und Stahl müssen durch Kunststoff-Trennelemente isoliert werden, um Kontaktkorrosion zu vermeiden.

Statische Anforderungen

Die Statik einer PV-Unterkonstruktion wird nach Eurocode 1 (Lastannahmen) und DIN 1055 berechnet. Maßgebliche Lasten:

  • Windlast: standortabhängig (Windzone 1–4), 0,4–1,2 kN/m² Druck und Sog
  • Schneelast: standortabhängig (Schneelastzone 1–3), 0,4–2,3 kN/m²
  • Eigenlast Module + Konstruktion: 15–25 kg/m²

Bei Bestandsdächern ist eine Statikprüfung Pflicht. Insbesondere ältere Industriehallen mit Trapezblech haben oft eingeschränkte Tragreserven. Eine Aufdach-PV-Anlage erhöht die Dachlast um typisch 15–25 kg/m².

Aufständerung auf Flachdach: Ballastiert vs. Durchdringend

  • Ballastierte Aufständerung: Betonplatten oder Wannen halten die Konstruktion ohne Dachdurchdringung. Vorteil: keine Beschädigung der Dachhaut. Nachteil: hohe Zusatzlast (50–80 kg/m²), erhöhte Statikanforderung.
  • Durchdringend befestigte Aufständerung: Verankerung in der tragenden Decke mit Dachhaut-Wiederherstellung. Vorteil: geringes Mehrgewicht. Nachteil: Eingriff in Dachhaut, Dichtheitsrisiko.

Lebensdauer und Wartung

Hochwertige Aluminium-Edelstahl-Unterkonstruktionen sind auf 30–40 Jahre ausgelegt – länger als die Module selbst. Wartungsbedarf:

  • Sichtprüfung Modulklemmen alle 2–3 Jahre
  • Kontrolle Dachhakendichtungen (Aufdach) alle 5 Jahre
  • Korrosionsprüfung Stahl-Komponenten (Freifläche) jährlich
  • Drehmomentkontrolle Schraubverbindungen nach 1. Sturm-/Schneeereignis

Bedeutung für Investoren

Bei der Anlagenbewertung wird die Unterkonstruktion oft unterschätzt. Schadensbilder zeigen jedoch, dass mehr als 30 % aller PV-Versicherungsfälle auf Montage- oder Statikfehler zurückgehen – Lockerung, Korrosion, falsche Lastannahme, fehlende Hagelschutzklasse. Eine technische Due-Diligence sollte das Montagesystem dokumentieren (Hersteller, Statiknachweis, Drehmomentprotokoll).

FAQ Unterkonstruktion Photovoltaik

Wie viel Mehrgewicht entsteht durch eine PV-Anlage?

Aufdach typisch 15 bis 25 kg/m², ballastierte Aufständerung auf Flachdach 50 bis 80 kg/m². Bei Bestandsdach immer Statikprüfung.

Welche Hersteller dominieren den Markt?

K2 Systems, Schletter, Mounting Systems, IBC SOLAR, Aerocompact und Renusol sind die etablierten Anbieter im deutschsprachigen Raum.

Wie lange hält eine Unterkonstruktion?

Hochwertige Alu-Edelstahl-Systeme 30 bis 40 Jahre, also länger als die Module. Stahl-Freiflächentische müssen alle 20 bis 25 Jahre geprüft und ggf. nachverzinkt werden.

Sind Indach-Lösungen wirtschaftlich?

Indach-Systeme ersetzen die Dacheindeckung. Sie sind nur bei Neubauten oder Komplettsanierungen wirtschaftlich, weil sie Eindeckungskosten einsparen.

Welche Hagelschutzklasse ist sinnvoll?

In Hagel-Risikogebieten (z. B. Voralpenraum) sollten Module der Klasse 4 nach IEC 61215 (Hagelkugel 35 mm bei 27 m/s) eingesetzt werden. Die Unterkonstruktion muss die Module entsprechend halten.

Hinweis: Allgemeine technische Information. Konkrete Modul-/Hersteller-Wahl sollte mit qualifiziertem Anlagenplaner abgestimmt werden.

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Markus Schebitz
🛡️ Expert Review

Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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