Bei der Überschusseinspeisung nutzt der Anlagenbetreiber den selbst erzeugten PV-Strom zunächst für den eigenen Verbrauch; nur die Überschüsse, die nicht direkt oder über Speicher verbraucht werden können, fließen ins öffentliche Netz und erhalten dafür eine EEG-Vergütung. Sie ist 2026 das Standardmodell für jede PV-Anlage mit eigenem Strombedarf — vom Einfamilienhaus bis zur Gewerbe-Aufdachanlage unter 100 kWp.
Mechanik im Überblick
- Direktverbrauch: PV-Strom fließt in Echtzeit in die Hausnetz-Lasten — Geräte, Wärmepumpe, Wallbox.
- Speicherladung: PV-Überschuss lädt den Batteriespeicher (falls vorhanden) für spätere Nutzung.
- Netzeinspeisung: Was nach Direktverbrauch und Speicherbefüllung übrig bleibt, fließt mit EEG-Vergütung ins öffentliche Netz.
Vergütungssätze 2026
| Anlagengröße | Überschuss-Satz | Volleinspeisung (zum Vergleich) |
|---|---|---|
| bis 10 kWp | 7,94 ct/kWh | 12,60 ct/kWh |
| 10–40 kWp | 6,88 ct/kWh | 10,56 ct/kWh |
| 40–100 kWp | 5,62 ct/kWh | 10,56 ct/kWh |
| ≥ 100 kWp | verpflichtende Direktvermarktung mit Marktprämie | — |
Warum Überschusseinspeisung trotz niedrigerer Vergütung lohnt
Der Trick: Selbst genutzte kWh ersetzt teuren Netzstrombezug von 28–38 ct/kWh — gegenüber EEG-Vergütung von 5,6–7,9 ct/kWh ein Faktor 4–6 wirtschaftlicher Vorteil. Beispielrechnung für eine 12-kWp-Anlage mit 11.000 kWh Jahresertrag und 50 % Eigenverbrauchsquote:
| Position | Wert |
|---|---|
| Eigenverbrauch (5.500 kWh × ersparter Strompreis 32 ct) | 1.760 € |
| Einspeise-Überschuss (5.500 kWh × 6,88 ct) | 378 € |
| Gesamterlös pro Jahr | 2.138 € |
| Volleinspeisung-Vergleich (11.000 × 10,56 ct) | 1.162 € |
| Wirtschaftlicher Vorteil Überschuss | +976 € pro Jahr (+84 %) |
Speicherrolle in der Überschusseinspeisung
Ein Batteriespeicher verschiebt Überschüsse aus den Mittagsstunden in die Abend-/Nachtnutzung. Bei einer 12-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher steigt die Eigenverbrauchsquote von typisch 28 % auf rund 67 % — das verdoppelt den Netzstrom-Ersatz und reduziert die Restüberschüsse, die mit niedriger EEG-Vergütung abgegeben werden. Wirtschaftlich rechnet sich der Speicher 2026 bei Netzstrompreisen ab 28 ct/kWh und Speicherkosten unter 250 €/kWh nutzbarer Kapazität.
70-%-Regel und Solarspitzengesetz
Bis 2023 war die 70-%-Regel Standard: PV-Anlagen ohne intelligente Steuerung durften maximal 70 % ihrer Nennleistung einspeisen. Mit dem Solarpaket I (2024) und EEG 2025 wurde diese Regel angepasst. Aktuell gilt:
- Anlagen bis 25 kWp: keine Drosselung mehr (Wegfall der alten 70-%-Regel)
- Anlagen 25–100 kWp ohne intelligentes Messsystem: 60-%-Drosselung am Verknüpfungspunkt
- Anlagen mit Smart Meter Gateway: volle Einspeisung möglich
Bedeutung für Privat & Gewerbe
Für Privathaushalte und Gewerbe mit Eigenverbrauch ist Überschusseinspeisung das ökonomisch dominante Modell. Die Vergütung der eingespeisten Überschüsse ist eine Zusatzeinnahme — der Hauptertrag stammt aus der vermiedenen Netzstrombezugskosten. Bei Anlagen über 100 kWp greift ohnehin die verpflichtende Direktvermarktung; die Voll-/Überschuss-Unterscheidung wird in dieser Größenklasse irrelevant.
Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Konkrete Renditen, Eigenverbrauchsquoten und steuerliche Effekte variieren je nach Anlage, Tarif und Lastprofil.
Verwandte Begriffe
Volleinspeisung · Eigenverbrauch · Direktverbrauch · EEG-Vergütung · Batteriespeicher · Direktvermarktung · Smart Meter Gateway · EEG 2025.
Häufige Fragen zur Überschusseinspeisung
Warum ist die Überschussvergütung niedriger?
Weil der Eigenverbrauchsvorteil bereits in der Kalkulation enthalten ist. Der Gesetzgeber rechnet damit, dass selbst verbrauchter Strom Netzstrombezug ersetzt und damit teurer als Einspeisevergütung wäre.
Wann lohnt Überschuss mehr als Volleinspeisung?
Ab einer Eigenverbrauchsquote von ca. 12–15 %. Bei höherer EVQ wächst der Vorteil exponentiell — typische Privathaushalte mit Wärmepumpe und E-Auto erzielen 50–70 % EVQ und damit 60–100 % höhere Gesamterlöse als bei Volleinspeisung.
Brauche ich für Überschusseinspeisung ein Smart Meter?
Bei Anlagen über 25 kWp ja — sonst greift die 60-%-Drosselung am Verknüpfungspunkt. Bei kleineren Anlagen ist es nicht zwingend, aber zunehmend vorteilhaft für dynamische Tarife.
Wirkt sich ein Batteriespeicher auf die Vergütung aus?
Ja: Der Speicher reduziert die Überschuss-Einspeisung zugunsten höherer Eigenverbrauchsquote — wirtschaftlich vorteilhaft bei aktuellen Strompreisen.
Kann ich nachträglich auf Überschusseinspeisung wechseln?
Ja, einmalig pro Anlage. Anmeldung beim Netzbetreiber zum Jahresende, Wirkung ab 1. Januar.
