Photovoltaik-Glossar

Strompreisbestandteile Deutschland

💡 Definition & Kurzerklärung

Bis Juli 2022 zahlten Endkunden 3,72 ct/kWh EEG-Umlage. Seit Wegfall fließt die EEG-Förderung aus dem Bundeshaushalt (Klima- und Transformationsfonds KTF) — eine politisch wichtige Entlastung. Stromkunden profitieren direkt durch reduzierten Endpreis, Anlagenbetreiber sind nicht betroffen (Vergütung wird unverändert ausgezahlt).

Der Strompreis in Deutschland setzt sich aus vielen einzelnen Bestandteilen zusammen — Erzeugungskosten machen weniger als die Hälfte des Endkundenpreises aus, der Rest sind Netzentgelte, Abgaben und Steuern. Für PV-Investoren ist das Verständnis der Strompreis-Struktur 2026 zentral, weil Eigenverbrauch nicht den Brutto-Strompreis, sondern alle abgaben-belasteten Komponenten gleichermaßen substituiert.

Strompreisaufbau Haushalt 2026 (Beispielwert 33 ct/kWh)

Komponente Anteil Cent/kWh
Energiebeschaffung + Vertrieb 43 % 14,2 ct
Netzentgelte 27 % 8,9 ct
Mehrwertsteuer (19 %) 16 % 5,3 ct
Stromsteuer 6 % 2,1 ct
Konzessionsabgabe 5 % 1,7 ct
KWK-Aufschlag, § 19 NEV-Umlage 2 % 0,5 ct
Offshore-Netzumlage 1 % 0,3 ct
EEG-Umlage 0 % 0,0 ct (seit 2022)

Industriestrompreis 2026 (Mittelverbrauch 0,5–10 GWh)

Komponente Industriestrom (Mittel)
Energiebeschaffung 13–18 ct/kWh
Netzentgelte (oft reduziert nach § 19) 3–6 ct/kWh
Stromsteuer 2,05 ct/kWh (häufig reduziert auf 1,54 ct)
Konzessionsabgabe 0,11 ct/kWh
MwSt (vorsteuerabzugsfähig)
Industrie-Endkundenpreis netto 18–28 ct/kWh

Wegfall der EEG-Umlage seit 2022

Eigenverbrauch und Strompreisbestandteile

Jede eigenverbrauchte Kilowattstunde aus eigener PV-Anlage spart den vollen Endkundenpreis — also nicht nur die Energiebeschaffung, sondern auch alle Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Bei einem Haushaltsstrompreis von 33 ct/kWh und einer Eigenverbrauchsquote von 50 % über eine 10-kWp-Anlage ergibt sich eine jährliche Ersparnis von rund 1.650 € — wirtschaftlich der wichtigste Hebel der PV-Investition.

Dynamische Strompreise 2026

Mit Smart Meter Gateway und § 14a EnWG können Verbraucher zunehmend dynamische Strompreise nutzen — die folgen dem Spotmarkt im 15-Minuten-Takt. Anbieter wie Tibber, aWATTar, Octopus Energy bieten Tarife mit Durchschnitten 23–28 ct/kWh statt 33 ct fester Tarif. Bei Lastverschiebung in Niedrigpreis-Stunden sind Ersparnisse von 5–8 ct/kWh realistisch.

Bedeutung für PV-Investoren

Wer PV-Strom direkt verbraucht, substituiert nicht nur den Erzeugungs-Stromanteil, sondern alle Bestandteile — was den Eigenverbrauch wirtschaftlich so attraktiv macht. Bei Industriebetrieben sinkt der Substitutionseffekt (niedrigerer Endkundenpreis), bleibt aber bei 18–28 ct/kWh deutlich über der EEG-Einspeisevergütung. Die Wahl zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung sollte daher immer auf Basis des tatsächlichen Strompreises kalkuliert werden.

Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information zum deutschen Strommarkt und ersetzt keine individuelle Beratung. Rechtsstand 2026.

Verwandte Begriffe

Netzentgelte · Eigenverbrauch · EEG-Umlage · Stromsteuer · EnWG · Smart Meter Gateway · Direktvermarktung.

Häufige Fragen zu Strompreisbestandteilen

Wie hoch ist der Stromtarif 2026 durchschnittlich?

Haushalt 30–38 ct/kWh; Gewerbe 25–32 ct/kWh; Industrie (Mittelverbrauch) 18–28 ct/kWh netto.

Welche Komponenten sinken bei dynamischen Tarifen?

Vor allem die Energiebeschaffung — Netzentgelte und Abgaben bleiben fix.

Ist die EEG-Umlage 2026 noch im Strompreis?

Nein, sie wurde Mitte 2022 auf 0,0 ct/kWh gesetzt und finanzierungstechnisch aus dem Bundeshaushalt verlagert.

Lohnt Eigenverbrauch immer?

Praktisch ja — die Substitution von 25–35 ct/kWh ist immer wirtschaftlicher als EEG-Einspeisung von 6–8 ct/kWh.

Welche Anbieter haben dynamische Tarife 2026?

Tibber, aWATTar, Octopus Energy, 1KOMMA5° und zunehmend Stadtwerke.

Markus Schebitz
🛡️ Expert Review

Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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