Photovoltaik-Glossar

Stringplanung Photovoltaik

💡 Definition & Kurzerklärung

Ein String ist eine Reihenschaltung von PV-Modulen mit gleicher Ausrichtung, Neigung und idealerweise gleichem Verschattungsmuster. Die Spannung addiert sich pro String, der Strom bleibt konstant. Der Wechselrichter optimiert über seinen MPP-Tracker (Maximum Power Point) den Arbeitspunkt jedes Strings einzeln — daher gilt: Module in einem String müssen elektrisch homogen arbeiten, sonst limitiert das schwächste Modul die gesamte Reihe (Mismatch-Verluste).

Die Stringplanung bestimmt, wie PV-Module elektrisch zu Reihen (Strings) verschaltet werden und welche Module welchem MPP-Tracker des Wechselrichters zugewiesen sind. Eine sorgfältige Stringplanung kann den Jahresertrag einer Gewerbeanlage um 3–8 % steigern — eine fehlerhafte Planung kostet entsprechend Erlöse über die gesamte 20-jährige EEG-Förderdauer.

Grundprinzip

Auslegungsregeln

  1. Spannungsfenster: Die String-Spannung muss innerhalb des MPP-Spannungsbereichs des Wechselrichters liegen (typisch 200–1.000 V). Zu wenig Module → Anlage steht zu lange unter MPP-Schwelle; zu viele → Überspannung im Sommer.
  2. Stromgrenze: Der Stringstrom darf den maximal zulässigen Eingangsstrom des MPP-Trackers nicht überschreiten (typisch 13–18 A).
  3. Homogenität: Alle Module eines Strings müssen identische Ausrichtung und Verschattungssituation haben.
  4. Temperatureffekt: Bei -10 °C steigt die Modulspannung um ca. 6 % — Auslegung muss die kältesten Wintertemperaturen berücksichtigen.

Praxisbeispiel: 500-kWp-Aufdachanlage

500 kWp = ca. 1.000 Module à 500 Wp. Bei Wechselrichtern mit 12 MPP-Trackern und je 2 Strings pro Tracker:

  • 5 Wechselrichter × 12 MPP-Tracker × 2 Strings = 120 Strings
  • 1.000 Module ÷ 120 Strings = 8,3 Module pro String (gerundet 8 oder 9)
  • String-Spannung bei 8 Modulen × 50 V Vmpp = 400 V (im optimalen MPP-Fenster)
  • String-Strom 12 A (unter 15-A-Grenze des Trackers)

Eine schlechte Stringplanung mit gemischten Ausrichtungen würde hier 4–7 % Ertrag kosten — bei einer 500-kWp-Anlage mit 6,88 ct/kWh entspricht das 14.000–25.000 € Mindereinnahmen über 20 Jahre.

Verschattungs-Management

Verschattungen — durch Dachaufbauten, Schornsteine, Nachbargebäude oder Bäume — sind der häufigste Ertragskiller. Drei Optimierungsstrategien:

  • Stringtrennung: Verschattete Modulreihen in einem eigenen String, damit sie nicht den Hauptstring herunterziehen.
  • Modul-Leistungselektronik: Power Optimizer (z. B. Tigo, SolarEdge) oder Mikrowechselrichter (Enphase) entkoppeln einzelne Module elektrisch — sinnvoll bei stark verschatteten Anlagen.
  • Bypass-Dioden-Layout: Module mit drei statt zwei Bypass-Dioden reduzieren Verschattungs-Verluste signifikant.

Stringplanung und Wechselrichter-Wahl

Die Wechselrichter-Topologie definiert den Spielraum für die Stringplanung. Bei zentralen Wechselrichtern (Solarpark) ist die Stringplanung simpler, aber unflexibler — alle Module müssen identisch ausgerichtet sein. Bei String-Wechselrichtern mit vielen MPP-Trackern (z. B. Huawei SUN2000-100KTL mit 10 Trackern) können auch komplexe Dachgeometrien mit unterschiedlichen Ausrichtungen optimal genutzt werden.

Bedeutung für Betreiber & Investoren

Stringplanung ist klassischer Engineering-Bereich, der häufig vom Anlagenbauer übernommen wird — und genau das ist der kritische Punkt: Eine renditeoptimierte Stringplanung kostet im Planungsteil 800–1.500 € Mehraufwand, sichert aber 5–8 % Mehrerlös über 20 Jahre. Bei einer 500-kWp-Anlage entspricht das einem ROI von 1:20 bis 1:40 für diese Planungsinvestition.

Empfehlung für Direktinvestoren: Stringplanung extern überprüfen lassen, idealerweise vor Unterzeichnung des EPC-Vertrags. Energietechnische Gutachter berechnen für ca. 1.000 € eine unabhängige Stringoptimierung mit Verschattungssimulation (z. B. PVsyst, PV*SOL).

Verwandte Begriffe

Wechselrichter · Anlagenkennzahlen · Netzanschluss · EEG-Vergütung · Batteriespeicher.

Häufige Fragen zur Stringplanung

Wie viele Module gehören in einen String?

Typisch 8–22 Module, abhängig von Modulspannung und MPP-Spannungsfenster des Wechselrichters. Konkret: Modul-Vmpp × Modulanzahl muss im MPP-Bereich des Wechselrichters (z. B. 200–1.000 V) liegen.

Was sind Mismatch-Verluste?

Wenn Module unterschiedlich starke Leistung in einem String haben, limitiert das schwächste Modul den Stringstrom. Bei guter Stringplanung liegen Mismatch-Verluste unter 1 %; bei schlechter Planung können sie 5–10 % erreichen.

Lohnen Power Optimizer auf jedem Modul?

Nur bei stark verschatteten Anlagen oder kleinflächigen Dächern mit komplexer Geometrie. Bei ebenflächigen Gewerbedächern ohne Verschattung erzeugen Optimizer Mehrkosten, ohne nennenswerten Mehrertrag.

Wer übernimmt die Stringplanung?

Im EPC-Modell der Anlagenbauer; bei eigenständigen Investments ein externer Energietechnik-Gutachter. Eine unabhängige Zweitmeinung kostet 800–1.500 € und ist bei Anlagen ab 200 kWp empfehlenswert.

Kann eine Stringplanung nachträglich geändert werden?

Ja, durch Umverkabelung — aber arbeitsintensiv. In der Praxis lohnt sich das nur bei massiven Ertragsverlusten durch Fehlplanung; bei einer Standardabweichung von 1–3 % wird die Anlage in der Regel im Ist-Zustand betrieben.

Markus Schebitz
🛡️ Expert Review

Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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