Der Spotmarkt ist der kurzfristige Handelsplatz für elektrische Energie an der Strombörse, an dem Strom für die unmittelbar bevorstehende Lieferperiode gehandelt wird. Für deutsche Photovoltaikanlagen, die in der Direktvermarktung sind, ist der Spotmarkt der entscheidende Preis-Referenzpunkt – aus den Spotmarkt-Preisen wird der Marktwert Solar und damit die Höhe der Marktprämie abgeleitet.
Zwei Teilmärkte: Day-Ahead und Intraday
| Teilmarkt | Handelszeitpunkt | Bedeutung für PV |
|---|---|---|
| Day-Ahead-Markt | Vortag bis 12:00 Uhr für nächsten Tag | Referenzpreis für Marktwert Solar |
| Intraday-Markt | fortlaufend bis Lieferung | Bewirtschaftung Prognosefehler |
Preisbildung nach Merit Order
Typische Preis-Bandbreiten 2026
- Mittlerer Day-Ahead-Preis 2026: ca. 75–95 €/MWh (7,5–9,5 ct/kWh)
- Solar-Marktwert: 70–90 % des mittleren Day-Ahead-Preises
- Spitzenpreise (Wintertage, Dunkelflaute): > 250 €/MWh
- Tiefpreise (sonnenreiche Mittagsstunden): 0 bis −50 €/MWh (negative Strompreise)
Preisvolatilität und Cannibalization-Effekt
Mit steigendem PV-Anteil sinkt der durchschnittliche Marktwert Solar relativ zum allgemeinen Strompreis – bekannt als Cannibalization-Effekt. Während der Marktwert Solar 2018 noch bei 95 % des Phelix-Day-Ahead lag, sank er bis 2025 auf 78 % und wird bis 2030 auf 65–70 % prognostiziert. Für PV-Investoren bedeutet das: ohne Batteriespeicher oder PPA-Absicherung verschiebt sich die Erlöskurve langfristig nach unten.
Praxisbeispiel: 1-MWp-Park in Direktvermarktung
Eine 1-MWp-Aufdachanlage mit Marktprämien-Vergütung (anzulegender Wert 6,80 ct/kWh) produziert in einem typischen Juli-Wochenende:
- Erzeugung 12:00–14:00 Uhr: 1.500 kWh, Spotpreis −15 €/MWh → Erlös 0 €, Marktprämie wird gekürzt
- Erzeugung 18:00–19:00 Uhr: 350 kWh, Spotpreis 110 €/MWh → Erlös 38,50 €
- Gesamttag: rund 9 MWh, Durchschnittspreis 32 €/MWh → Tagesbruttoerlös ca. 290 €
- Marktprämien-Auffüllung auf anzulegenden Wert: ca. 320 € zusätzlich
Bedeutung für PV-Investments
Anlagen unter 100 kWp mit fester EEG-Einspeisevergütung sind preisunabhängig vom Spotmarkt. Anlagen ab 100 kWp in der Direktvermarktung sind ökonomisch direkt mit dem Spotpreis verknüpft – der vom Direktvermarkter erzielte Marktwert beeinflusst die Capture Rate und damit den Netto-Cashflow. Für Post-EEG-Anlagen ohne PPA ist der Spotmarkt die alleinige Erlösquelle.
FAQ Spotmarkt Strom
Welche Strombörse ist für Deutschland relevant?
Die EPEX Spot mit Sitz in Paris – sie wickelt rund 90 % des deutschen Day-Ahead- und Intraday-Handels ab.
Wie wird der Marktwert Solar berechnet?
Monatlich, als ertragsgewichteter Mittelwert aller Day-Ahead-Stunden über die in Deutschland erzeugten PV-Strommengen. Veröffentlichung durch die ÜNB.
Warum gibt es negative Strompreise?
In sonnenreichen Mittagsstunden mit niedriger Nachfrage übersteigt das Erneuerbare-Angebot die Nachfrage. Konventionelle Kraftwerke zahlen, um nicht abregeln zu müssen.
Wie volatil ist der Spotmarkt?
Tagesschwankungen von 0 bis 200 €/MWh sind 2025 nicht ungewöhnlich. Mit höherem Erneuerbaren-Anteil nimmt die Volatilität langfristig zu.
Welche Rolle spielt der Intraday-Markt?
Für PV: Korrektur der Day-Ahead-Prognose. Wenn die Erzeugung höher oder niedriger ausfällt als geplant, kauft oder verkauft der Direktvermarkter im Intraday-Markt nach.
Hinweis: Allgemeine fachliche Information, keine Anlageberatung. Strommarkt-Mechanismen verändern sich regulatorisch laufend – aktuelle Werte und Verträge sollten mit qualifizierten Energiehändlern, Bankenpartnern und Steuerberatern abgestimmt werden.
