Photovoltaik-Glossar

Solarpark Photovoltaik

💡 Definition & Kurzerklärung

Solarparks ab 1 MWp werden über das Ausschreibungssystem der Bundesnetzagentur vergütet (Solar I für Freiflächen, Solar II für Dachanlagen). Vier Ausschreibungsrunden pro Jahr; Anbieter geben einen Cent-Preis pro kWh ab, die günstigsten erhalten den Zuschlag. 2025 lagen die Zuschlagswerte bei Solar I zwischen 5,1 und 5,9 ct/kWh – deutlich unter den frei festgesetzten EEG-Tarifen für Aufdach-Anlagen. Diese niedrigere Vergütung kompensiert sich durch deutlich niedrigere spezifische Kosten und größere Anlagengrößen.

Ein Solarpark ist eine bodenmontierte Photovoltaik-Großanlage auf Freiflächen, typischerweise ab 1 MWp installierter Leistung. Anders als Aufdach-Anlagen unterliegt der Solarpark vollständig dem Ausschreibungsmodell des EEG, hat eigene Genehmigungs- und Anschluss-Anforderungen und richtet sich an institutionelle Investoren, Family Offices und größere Mittelständler.

Strukturmerkmale eines Solarparks

Merkmal Standard 2026
Anlagengröße 1–20 MWp (typisch), bis 100 MWp Großprojekte
Flächenbedarf 0,8–1,2 ha pro MWp
Modulanordnung Reihenmontage Süd 25–35°, häufig Tracker-Systeme bei großen Parks
Wechselrichter Zentralwechselrichter oder dezentrale String-Cluster
Netzanschluss Mittelspannung 10/20 kV oder Hochspannung 110 kV
Investitionskosten netto 600–850 €/kWp
Volllaststunden 950–1.150 kWh/kWp (standortabhängig)
Förderzeitraum 20 Jahre EEG (Ausschreibungstarif)

Ausschreibungs-Mechanik

Standortarten für Solarparks

  • Konversionsflächen: Ehemalige Industriegebiete, Bahngelände, Truppenübungsplätze – politisch und genehmigungsrechtlich bevorzugt.
  • Benachteiligte Ackerflächen: Böden mit geringer landwirtschaftlicher Ertragslage – EEG-förderfähig seit EEG 2023.
  • Industrie- und Gewerbegebietsrand: Bauleitplan-Privilegierung; relativ einfache Genehmigung.
  • Agri-PV: Doppelnutzung Landwirtschaft + Solar – höhere Förderwerte, höhere Investitionskosten.
  • Floating-PV: Wasseroberflächen-Anlagen – Pilotprojekte im Aufkommen.

Praxisbeispiel: 5-MWp-Solarpark Brandenburg

Family Office finanziert einen 5-MWp-Park auf benachteiligter Ackerfläche:

  • Investitionssumme: 3,75 Mio. € (750 €/kWp)
  • Pacht: 4,5 ha × 2.800 €/ha = 12.600 € jährlich
  • Zuschlagswert Ausschreibung: 5,68 ct/kWh
  • Jahresertrag (1.030 kWh/kWp × 5.000 kWp): 5.150.000 kWh
  • Brutto-EEG-Erlöse: 292.520 € jährlich
  • O&M, Management, Versicherung: 65.000 € jährlich
  • Netto-Cashflow: 214.920 € jährlich → 5,7 % Bruttorendite vor Steuereffekten
  • Brutto-IRR über 20 Jahre: ca. 6,8 % mit Steuereffekten

Bedeutung für institutionelle Investoren

Solarparks sind die zentrale Asset-Class für institutionelle PV-Investments: Skaleneffekte senken die LCOE unter 5 ct/kWh, große Anlagen sind effizient zu managen, und die Cashflow-Struktur ist über 20–25 Jahre extrem planbar – Versicherer und Pensionsfonds bevorzugen genau dieses Profil. Brutto-IRRs sind niedriger als bei Gewerbedach-Investments, dafür sind die Tickets größer (5–50 Mio. €) und das Asset-Management standardisiert.

Für Family Offices interessant: Mehrere mittlere Solarparks (2–10 MWp) in einer Holding bündeln, professionelles Asset-Management mit Direktvermarkter und externer O&M-Firma einkaufen, nach 7–10 Jahren als Portfolio an institutionelle Investoren weiterverkaufen. Sekundärmarkt-Multiples für Bestandsparks liegen 2026 bei 11–14× EBITDA.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Rendite-Beispiele beruhen auf typischen Marktszenarien 2026; konkrete Zahlen variieren je Projekt.

Verwandte Begriffe

Photovoltaik Direktinvestment · Gewerbedach · Pachtvertrag · Investor · Anlagenkennzahlen · Ausschreibungsmodell · Direktvermarktung · Netzanschluss · EEG 2025.

Häufige Fragen zum Solarpark

Ab welcher Größe spricht man von einem Solarpark?

Marktüblich ab 1 MWp installierter Leistung. Anlagen über 750 kWp gelten häufig schon als Solarpark, formal greift die Ausschreibungspflicht aber erst ab 1 MWp.

Welche Vergütung erhält ein Solarpark?

Ausschließlich über Ausschreibungsmodell — Zuschlagswerte 2025/2026 zwischen 5,1 und 5,9 ct/kWh. Die Vergütung läuft 20 Jahre und wird über die Marktprämie ausgezahlt.

Wie hoch ist die typische Pacht für eine Freifläche?

1.500–6.000 € pro Hektar und Jahr, abhängig von Flächenqualität, Lage und Konkurrenznutzung. Konversionsflächen erzielen höhere Pachten als landwirtschaftliche Restflächen.

Wie lange dauert die Projektentwicklung eines Solarparks?

Vom Flächenkauf bis zur Inbetriebnahme typisch 18–36 Monate, abhängig von Genehmigungsverfahren, Netzanschluss-Bearbeitungszeit und Ausschreibungsrunde.

Kann ich als Privatinvestor einen Solarpark erwerben?

Theoretisch ja, praktisch erst ab 1–2 Mio. € Eigenkapital. Für kleinere Beträge bieten sich Beteiligungen an Solarpark-Investmentgesellschaften an — bei deutlich geringerer Brutto-IRR als beim Direktinvestment in Gewerbedach-Anlagen.

Markus Schebitz
🛡️ Expert Review

Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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