Photovoltaik-Glossar

Solarpark Bewertung

💡 Definition & Kurzerklärung

Bei Solarparks mit Power-Purchase-Agreement (PPA) als Vermarktungsweg sind zusätzliche Risiko-Faktoren in die Bewertung einzubeziehen:

Die Solarpark-Bewertung bezeichnet die strukturierte wirtschaftliche und technische Bewertung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage im M&A-Kontext — also bei Ankauf, Verkauf, Refinanzierung oder gesellschaftsrechtlichen Vorgängen. Sie unterscheidet sich von einer einfachen Anlagenbewertung durch die Tiefe der Due Diligence und die komplexere Vertrags- und Risiko-Struktur größerer Anlagen.

Bewertungsanlässe

  • Ankauf: Käuferseitige Due Diligence vor Term-Sheet-Unterzeichnung
  • Verkauf: Verkäuferseitige Vendor Due Diligence für Investoren
  • Refinanzierung: Bankenseite, Anpassung der Fremdkapitalstruktur
  • Closing: finale Anpassung des Kaufpreises nach Closing-Konten
  • IFRS/HGB-Bewertung: bilanzielle Bewertung im Konzern

Phasen einer Solarpark-Transaktion

  1. Teaser & NDA: Indikatives Asset-Profil, Vertraulichkeitsvereinbarung
  2. Information Memorandum: ausführliche Anlagen- und Vertrags-Übersicht
  3. Indikatives Angebot: erste Bewertungsindikation auf Basis Public-Domain-Daten
  4. Due Diligence: technisch, rechtlich, finanziell, steuerlich, ESG
  5. Verbindliches Angebot: nach DD-Abschluss, mit Anpassungen
  6. SPA & Closing: Share/Asset Purchase Agreement, Eigentumsübergang

Drei Säulen der Due Diligence

Technische DD Rechtliche DD Finanzielle DD
Modulhersteller & Garantien Pachtverträge (Restlaufzeit, Indexierung) Cashflow-Historie 3–5 Jahre
Wechselrichter-Status EEG-Anlagenregistrierung (MaStR) OPEX-Struktur (O&M, Pacht, Versicherung)
Performance Ratio-Verlauf Netzanschluss- & Direktvermarktungs-Vertrag Direktvermarktungs-Erlöse
Trafo & Mittelspannungs-Anlage Genehmigungen (BImSchG, BauGB) Versicherungs-Schadenshistorie
Reservelager & Ersatzteile Service- & O&M-Verträge Steuerliche Situation (KöSt, GewSt)
Modul-Degradationsmessung Eigentumsverhältnisse (Asset vs. Share Deal) Bankenfinanzierung & Covenants

PPA-spezifische Risiken

  • Off-taker-Bonität: Kreditwürdigkeit des Abnehmers (z. B. Investment-Grade-Industrie- oder Energieversorger), Sicherheitsleistungen, Garantieerklärungen
  • Preisformel: fester Preis (Pay-as-Produced), Preisgleitformeln, Cap/Floor-Mechanismen
  • Volumen-Risiko: Pay-as-Produced vs. Pay-as-Forecast, Mengenrisiko bei Wetterabweichungen
  • Curtailment-Risiko: Anteil der Netzabschaltungen und deren Vergütungsregelung
  • Vertragslaufzeit: Restlaufzeit und Verlängerungsoptionen

Bewertungsbandbreiten 2026

Marktübliche Bewertungsmultiplikatoren am deutschen Solarpark-Sekundärmarkt:

  • Freiflächenparks 1–5 MWp mit EEG (Restlaufzeit > 10 Jahre): 9,5–11,5 × EBITDA
  • Freiflächenparks 5–20 MWp mit EEG + PPA-Mix: 10,5–13,0 × EBITDA
  • Reine PPA-Parks (Investment-Grade Off-taker, > 10 Jahre Restvertrag): 11,0–14,0 × EBITDA
  • Post-EEG-Parks mit Repowering-Potenzial: 5,0–7,5 × EBITDA

Die endgültige Bewertung kombiniert immer mehrere Methoden: DCF als Hauptanker, Multiples als Plausibilitäts-Check und Sachwertverfahren als Untergrenze.

Praxisbeispiel: 5-MWp-Freiflächenpark Brandenburg

Inbetriebnahme 2018, anzulegender Wert 4,29 ct/kWh (EEG 2017), spezifischer Ertrag 1.060 kWh/kWp/Jahr, verbleibende EEG-Förderung bei Bewertung 2026: 12 Jahre.

  • Jahresertrag: 5,3 GWh
  • Bruttoerlöse: rund 227.400 €
  • OPEX (Pacht, O&M, Versicherung, Direktvermarktung): rund 58.000 €
  • EBITDA: rund 169.400 €
  • DCF-Wert bei 5,5 % Diskontrate + Restwert: rund 1,70 Mio. €
  • Multiples-Check: 169.400 × 10,5 = 1,78 Mio. €
  • Bewertungsbandbreite: 1,65–1,82 Mio. € → Marktstandard für vergleichbare Bestandstransaktionen

Earn-Out-Mechanismen

Bei Transaktionen mit Bewertungsunsicherheit (z. B. fehlende Performance-Daten oder offene Schadensfälle) sind Earn-Out-Strukturen üblich: Ein Teil des Kaufpreises (typisch 10–25 %) wird über 1–3 Jahre nachträglich gezahlt, abhängig von definierten Performance-Schwellen (PR > 82 %, Verfügbarkeit > 98 %). Earn-Outs reduzieren die Bewertungsdiskussion und erleichtern den Verhandlungs-Abschluss.

FAQ Solarpark Bewertung

Wie lange dauert eine Due Diligence?

Für Solarparks 1 bis 5 MWp typischerweise 6 bis 10 Wochen. Bei größeren Portfolios (mehrere Parks) verlängert sich die Phase auf 3 bis 4 Monate.

Was kostet eine professionelle Bewertung?

Externe DD-Kosten liegen 2026 bei 20.000 bis 60.000 Euro für Einzelparks, abhängig von Größe und Komplexität. Bei Portfolio-Transaktionen sinken die Stückkosten deutlich.

Welche Mindest-EEG-Restlaufzeit ist transaktionsfähig?

Banken finanzieren Sekundärmarkt-Transaktionen typischerweise ab 8 bis 10 Jahren EEG-Restlaufzeit. Bei kürzeren Restlaufzeiten sinkt die maximale Fremdkapitalquote deutlich.

PPA oder EEG-Vergütung: was ist bewertungstechnisch besser?

EEG-Anlagen liefern stabilere Cashflows (höhere Multiples), reine PPA-Anlagen können bei guter Off-taker-Bonität ähnliche oder höhere Werte erzielen, sind aber risikosensitiver.

Asset Deal oder Share Deal?

Bei deutschen Solarparks überwiegen Share Deals (Erwerb der Projektgesellschaft). Vorteil: kein Neu-Abschluss von Pacht-, Netz- und EEG-Verträgen. Nachteil: vollständige Übernahme der Historie inkl. ggf. latenter Steuerrisiken.

Hinweis: Allgemeine fachliche Information, keine Anlageberatung. Konkrete Bewertungs- oder Investmententscheidungen sollten mit qualifizierten Fachexperten (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Asset-Manager) abgestimmt werden.

Verwandte Begriffe

Markus Schebitz
🛡️ Expert Review

Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

Tägliche News

23+ Jahre Erfahrung 650+ Investoren 190+ PV-Anlagen EEG & Steueroptimierung Kostenloser Dach-Check
Kostenlos beraten lassen