Photovoltaik-Glossar

Power-to-Heat

💡 Definition & Kurzerklärung

PtH lohnt sich, wenn der Strompreis (inkl. EEG-Eigenverbrauch) unter dem Preis der substituierten Wärme liegt. Faustregel 2026:

Power-to-Heat (PtH) bezeichnet die direkte Umwandlung von elektrischem Strom in Wärme – per Elektrolytheizung, Wärmepumpe oder Heißwasser-Speicher. Es ist 2026 der wirtschaftlich rentabelste PtX-Pfad und gleichzeitig der schnellste Einstieg in die Sektorkopplung.

Technologien

Technologie Wirkungsgrad / COP Einsatzbereich
Elektroheizstab 99 % Notbetrieb, Spitzendeckung
Elektrokessel (industriell) 97–99 % Prozessdampf 100–180 °C
Luft-Wasser-Wärmepumpe COP 3,5–4,5 Heizung, Warmwasser
Sole-Wasser-Wärmepumpe COP 4,0–5,5 Gewerbe, Industrie
Hochtemperatur-WP COP 3,0–3,8 industriell, 80–150 °C

Wirtschaftliche Logik

  • Gas: 7–11 ct/kWhth
  • Heizöl: 9–13 ct/kWhth
  • PV-Strom selbst genutzt: 4–9 ct/kWhel
  • Mit COP 4 (Wärmepumpe): effektive Wärmekosten 1,5–2,5 ct/kWhth

Praxisbeispiel: Gewerbebetrieb mit 200 kWp PV

  • Bisher Gasheizung 50 kW thermisch, 75.000 kWh/Jahr
  • Neue Luft-Wasser-Wärmepumpe 40 kW (COP 3,8): Strombedarf 19.700 kWh/Jahr
  • Selbstverbrauch der PV in Heizperiode: 80 % × 19.700 = 15.760 kWh
  • Gasersparnis: rund 8.100 €/Jahr (Gas 10,8 ct/kWh)
  • Mehrkosten Stromnutzung: 1.000 €/Jahr
  • Netto-Mehrertrag: 7.100 €/Jahr
  • Investition Wärmepumpe + Pufferspeicher: 45.000 €
  • Mit BEG-Förderung: Eigenanteil 29.000 €
  • Amortisation: rund 4,1 Jahre

Industrielle Power-to-Heat

Für energieintensive Industriebetriebe ist PtH der naheliegende erste Sektorkopplungs-Schritt:

  • Prozessdampf-Erzeugung (Lebensmittel, Chemie, Pharma)
  • Trocknungsanlagen (Holz, Papier, Pellets)
  • Galvanik-Bäder und Härteprozesse
  • Fernwärme-Hochtemperatur-Einbindung

Wirtschaftlich oft bei dynamischen Strompreisen (negative Spotpreise) attraktiv: Industrieanlagen heizen Wasserspeicher in Niedrigpreis-Stunden auf und nutzen die gespeicherte Wärme später.

Förderung 2026

  • BEG (Bundesförderung effiziente Gebäude): bis 35 % Zuschuss für Wärmepumpen
  • BEW (Bundesförderung effiziente Wärmenetze): bis 40 % Förderung für Industrie-PtH
  • BAFA: Modul Energieeffizienz in der Wirtschaft (Investitionszuschüsse)
  • KfW 270/297: günstige Kredite für PtH-Komponenten

FAQ Power-to-Heat

Welche PtH-Lösung lohnt sich am ehesten?

Wärmepumpen für Niedertemperatur-Wärme (bis 60 Grad) sind 2026 wirtschaftlich klar überlegen. Elektrokessel rechnen sich nur in Spotmarkt-Strategien mit Niedrigpreis-Stunden.

Was ist der COP einer Wärmepumpe?

Coefficient of Performance: Verhältnis von Wärmeabgabe zu Strom-Eingang. COP 4 bedeutet, dass 1 kWh Strom 4 kWh Wärme erzeugt.

Lohnt sich PtH ohne PV-Anlage?

Bei Wärmepumpen ja (mit Netzstrom als Backup). Bei Elektrokesseln meist nur, wenn dynamische Tarife oder Spotmarkt-Zugang vorhanden sind.

Wie groß sollte der Wärme-Pufferspeicher sein?

Faustregel: 30 bis 70 Liter pro kW thermische Leistung der Wärmepumpe. Für PV-Integration eher größere Speicher zur Lastverschiebung.

Kann PtH am Regelenergie-Markt teilnehmen?

Ja, über virtuelle Kraftwerke. Heimwärmepumpen werden zunehmend in Pools zur Erbringung von Demand-Response- und Regelenergie-Diensten integriert.

Hinweis: Allgemeine fachliche Information, keine Anlageberatung. Power-to-X, Wasserstoff- und Industrie-Anwendungen sind regulatorisch und wirtschaftlich dynamisch – konkrete Projekte sollten mit qualifizierten Energie- und Steuerberatern abgestimmt werden.

Verwandte Begriffe

Markus Schebitz
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Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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