Photovoltaik-Glossar

Power-to-Gas

💡 Definition & Kurzerklärung

Selten. Der zusätzliche Methanisierungs-Schritt kostet 10 bis 15 Prozent Wirkungsgrad. CH₄ ist nur dann wirtschaftlich, wenn Erdgas-Infrastruktur direkt genutzt werden soll.

Power-to-Gas (PtG) bezeichnet die Umwandlung von elektrischem Strom in gasförmige Energieträger – primär Wasserstoff (H₂) oder synthetisches Methan (CH₄). Es ist der zentrale Sektorkopplungs-Pfad zwischen Strom- und Gasnetz und ermöglicht die langfristige Speicherung erneuerbarer Energie über Tage, Wochen oder Monate.

Zwei Hauptverfahren

Verfahren Endprodukt Wirkungsgrad gesamt
Elektrolyse H₂ 65–75 %
Methanisierung (Elektrolyse + Sabatier) CH₄ 50–60 %

Anwendungsfelder

  • Industrieller Wasserstoff (Stahl, Chemie, Raffinerien)
  • Energie-Speicherung (Saisonalspeicher)
  • Synthetisches Methan für Erdgasnetze (kompatibel ohne Umrüstung)
  • Schwerlastverkehr (H₂-Trucks, H₂-Züge)
  • H₂-Beimischung in Erdgas (5–20 % volumenbasiert)

Speicher- und Transportwege

  • Druckspeicher (200–700 bar)
  • Erdgas-Kavernen (für H₂-Großspeicher erschließbar)
  • Tube-Trailer-Logistik bis 1.000 kg H₂
  • H₂-Pipelines (ab 2027 Wasserstoff-Kernnetz Deutschland geplant)
  • Einspeisung in Erdgasnetz (nur CH₄ vollständig kompatibel)

Praxisbeispiel: Industriestandort 5 MW Elektrolyseur

  • Investition: 8 Mio. € (Elektrolyseur + Kompression + Tankspeicher)
  • Stromkosten 4 ct/kWh × 17,5 GWh = 700 T€/Jahr
  • H₂-Erzeugung 350 t/Jahr
  • Verkauf an Industriepartner: 5,40 €/kg = 1,89 Mio. €/Jahr
  • OPEX gesamt: 980 T€
  • EBITDA: 910 T€/Jahr
  • Erwarteter IRR (mit IPCEI-Förderung 35 %): 9–11 %

Regulatorische Lage 2026

  • EEG 2025 Wasserstoff-Boni: Ausnahmen von Umlagen für grüne Elektrolyseure
  • RED III: Zertifizierungspflicht für grünen H₂
  • Wasserstoff-Kernnetz: bis 2030 9.700 km Fernleitungen geplant
  • Netzentgelt-Befreiung für Speicher- und PtG-Anlagen (§ 118 EnWG)

FAQ Power-to-Gas

Lohnt sich CH₄-Methanisierung gegenüber reinem H₂?

Welche Speicherform ist langfristig sinnvoll?

Salz-Kavernen für TWh-skalige Saisonalspeicher, Druckspeicher für Tagespuffer im industriellen Maßstab.

Welche Förderprogramme greifen?

IPCEI, KfW Wasserstoffstrategie, Klimaschutzverträge, BMWK Wasserstoff-Leitprojekte und länderspezifische Förderungen.

Wie wettbewerbsfähig ist H₂ aus PtG?

Bei Stromkosten unter 3 ct/kWh und Vollastunden über 3.500 Stunden 2026 mit Förderung wettbewerbsfähig. Ohne Förderung erst ab 2028 bis 2030 bei weiter sinkenden CAPEX.

Sind PtG-Anlagen technisch ausgereift?

PEM- und Alkalisch-Elektrolyse: kommerziell verfügbar. Methanisierung: technisch verfügbar, wirtschaftlich noch herausfordernd. SOEC: skaliert ab 2026 in industrielle Projekte.

Hinweis: Allgemeine fachliche Information, keine Anlageberatung. Power-to-X, Wasserstoff- und Industrie-Anwendungen sind regulatorisch und wirtschaftlich dynamisch – konkrete Projekte sollten mit qualifizierten Energie- und Steuerberatern abgestimmt werden.

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Markus Schebitz
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Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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