Photovoltaik-Glossar

Intraday-Handel Strom

💡 Definition & Kurzerklärung

An der EPEX Spot ist der Intraday-Handel als kontinuierliche Orderbuch-Handelsplattform organisiert. Geboten werden Stunden-, 30-Minuten- und 15-Minuten-Kontrakte. Handelsschluss (Gate-Closure) liegt bei 5 Minuten vor physischer Lieferung. Die Preisbildung erfolgt fortlaufend nach dem Best-Price-Prinzip – jedes neue Gebot wird gegen das aktuelle Orderbuch geprüft.

Der Intraday-Handel ist der kontinuierliche kurzfristige Strommarkt, der die Lücke zwischen Day-Ahead-Auktion und physischer Lieferung schließt. Stromhändler können dort bis 5 Minuten vor Lieferung Strom kaufen oder verkaufen – für Photovoltaikanlagen in der Direktvermarktung ist er das wichtigste Instrument zur Korrektur von Prognosefehlern und Wetterabweichungen.

Funktionsweise

Drei Produkt-Typen

Produkt Lieferzeitraum PV-Anwendung
Hour (60min) volle Stunde Standardprodukt
Half-Hour (30min) halbstündige Slots Profilfeinheit
Quarter-Hour (15min) viertelstündige Slots Prognose-Feinkorrektur

Bedeutung für PV-Direktvermarkter

Solar-Direktvermarkter melden im Day-Ahead-Markt ihre erwartete Erzeugung. Wetterabweichungen (mehr/weniger Bewölkung als prognostiziert) führen zu Lieferdifferenzen, die im Intraday-Markt ausgeglichen werden:

  • Erzeugung übersteigt Prognose → zusätzliches Volumen wird verkauft
  • Erzeugung unter Prognose → fehlendes Volumen wird zugekauft

Die Differenz zum Day-Ahead-Preis bildet die Intraday-Marge. Bei guten Wetterprognosen sind Intraday-Gewinne möglich; bei volatilen Wetterlagen tendieren Intraday-Preise zu Aufschlägen gegenüber Day-Ahead.

Praxisbeispiel: Prognoseabweichung

Ein 5-MWp-Park hat für 14:00–15:00 Uhr eine Day-Ahead-Erzeugung von 4,5 MWh angemeldet, Preis 22 €/MWh. Real produziert die Anlage nur 3,8 MWh wegen kurzfristiger Bewölkung:

  • Fehlende Liefermenge: 0,7 MWh
  • Intraday-Preis 13:45 Uhr für diese Stunde: 38 €/MWh
  • Zukauf: 0,7 MWh × 38 €/MWh = 27 €
  • Day-Ahead-Erlös: 4,5 MWh × 22 €/MWh = 99 €
  • Netto-Erlös nach Intraday-Korrektur: 99 € − 27 € = 72 €
  • Alternative (kein Intraday): Bilanzkreis-Ausgleichsenergie zum Ausgleichsenergiepreis von z. B. 95 €/MWh → teurer

Bedeutung im Bilanzkreis-Management

Der Intraday-Markt ist das primäre Werkzeug, mit dem Direktvermarkter ihren Bilanzkreis ausgleichen. Ohne aktiven Intraday-Handel würden Prognoseabweichungen direkt zu teurer Ausgleichsenergie führen. Professionelle Direktvermarkter erzielen durch geschickte Intraday-Optimierung typische Mehrerlöse von 0,2–0,5 ct/kWh – ein nicht zu unterschätzender Cashflow-Faktor bei Großanlagen.

Volumen und Volatilität

Der deutsche Intraday-Markt 2024 verarbeitet rund 110–140 TWh pro Jahr (15–20 % des Day-Ahead-Volumens). Die Volatilität ist deutlich höher: Intraday-Preise können sich innerhalb von 15 Minuten um 100 €/MWh oder mehr bewegen, besonders bei plötzlichen Wetterumschwüngen oder Kraftwerksausfällen.

FAQ Intraday-Handel Strom

Was ist der Unterschied zum Day-Ahead-Markt?

Day-Ahead ist eine einmalige Auktion am Vortag mit Uniform Pricing. Intraday ist ein kontinuierlicher Handel mit Pay-as-Bid bis 5 Minuten vor Lieferung.

Welche Rolle spielt die 15-Minuten-Granularität?

Sie erlaubt die Feinanpassung an reale Erzeugungsprofile (kurze Wolkenphasen, Wetter-Volatilität) und reduziert Ausgleichsenergie-Kosten.

Wie viel Intraday-Mehrerlös ist realistisch?

Professionelle Direktvermarkter erreichen typischerweise 0,2 bis 0,5 ct/kWh Mehrerlös gegenüber reiner Day-Ahead-Vermarktung.

Können Privatanlagen am Intraday teilnehmen?

Nicht direkt. Privatanlagen sind über ihren Direktvermarkter angeschlossen, der das Intraday-Handeln für ein Anlagenportfolio bündelt.

Warum sind Intraday-Preise oft höher als Day-Ahead?

Knappheitsaufschläge: Wer kurzfristig kaufen muss, zahlt typischerweise mehr. Bei Überangebot kann der Intraday-Preis aber auch deutlich unter Day-Ahead fallen.

Hinweis: Allgemeine fachliche Information, keine Anlageberatung. Strommarkt-Mechanismen verändern sich regulatorisch laufend – aktuelle Werte und Verträge sollten mit qualifizierten Energiehändlern, Bankenpartnern und Steuerberatern abgestimmt werden.

Verwandte Begriffe

Markus Schebitz
🛡️ Expert Review

Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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