Glas-Glas-Module: Definition und Aufbau
Technische Vorteile
- Langzeitstabilität: Glas altert wesentlich langsamer als Polymerfolien – kein Vergilben, keine Mikrorisse, keine Wasserdampf-Permeation
- PID- und LeTID-Resistenz: Glas verhindert Feuchtigkeitseintritt in die Zellebene → geringere potentialinduzierte Degradation
- Bifacial-Fähigkeit: transparente Rückseite ermöglicht Mehrertrag durch Albedo (reflektiertes Licht vom Untergrund)
- Brandschutz: beidseitig nicht brennbar – relevant bei Aufdach-Industrieanlagen mit erhöhten Brandschutzanforderungen
- Mechanische Robustheit: höhere Druck- und Hagelfestigkeit (Klasse 4 nach IEC 61215)
Garantielaufzeiten
Etablierte Hersteller (LONGi, Trina, Jinko, JA Solar, Q CELLS) gewähren auf Glas-Glas-Module:
- Produktgarantie: 25–30 Jahre (Glas-Folie meist 12–15 Jahre)
- Linear-Leistungsgarantie: 30 Jahre, mindestens 87–88 % Restleistung
- Degradation Jahr 1: ≤ 1 %, Folgejahre ≤ 0,45 %
Die längere Produktgarantie ist der zentrale wirtschaftliche Vorteil bei Anlagen mit Betriebsdauern über 25 Jahre.
Bifacial-Mehrertrag
Glas-Glas-Module sind häufig bifacial – beide Modulseiten erzeugen Strom. Der Mehrertrag hängt vom Albedo (Reflexionsgrad) des Untergrunds ab:
| Untergrund | Albedo | Bifacial-Gewinn |
|---|---|---|
| Heller Kies | 0,35 | 10 – 15 % |
| Gras / Wiese | 0,25 | 5 – 8 % |
| Trapezblech weiß | 0,60 | 15 – 20 % |
| Schnee | 0,80 | 20 – 25 % |
| Bitumen-Flachdach | 0,10 | 2 – 4 % |
Voraussetzung für relevante Bifacial-Gewinne sind: aufgeständerte Montage (mindestens 30 cm Bodenabstand), heller Untergrund, vermiedene Eigenverschattung der Rückseite durch Tragprofile.
Mehrkosten und Wirtschaftlichkeit
Glas-Glas-Module kosten 2026 rund 0,02–0,05 €/Wp mehr als baugleiche Glas-Folie-Module. Die Mehrkosten amortisieren sich über:
- Bifacial-Mehrertrag (bei geeignetem Untergrund)
- Verlängerte Betriebsdauer (30 statt 25 Jahre)
- Niedrigeres Degradationsrisiko
- Bessere Wiederverkaufswerte am Sekundärmarkt
Für institutionelle Investoren mit langen Haltedauern (> 20 Jahre) und Freiflächen-/Tracking-Anlagen sind Glas-Glas-Module 2026 weitgehend Standard. Auf privaten Schrägdächern überwiegen weiter Glas-Folie-Module wegen geringerem Gewicht.
Nachteile
- Höheres Gewicht: 24–30 kg statt 18–22 kg bei Glas-Folie → Statik-Prüfung erforderlich
- Bruchempfindlichkeit der Rückseite bei unsachgemäßer Handhabung
- Mikrorisse bei Punktlasten: Trittbelastung während Montage muss vermieden werden
FAQ Glas-Glas-Module
Sind Glas-Glas-Module zwingend bifacial?
Nein. Glas-Glas bezieht sich nur auf den Modulaufbau. Bifacial ist eine zusätzliche Eigenschaft, die transparente Zelltechnologie und transparente Rückseite voraussetzt. Die meisten Glas-Glas-Module 2026 sind bifacial.
Lohnen sich Glas-Glas-Module auf jedem Dach?
Auf Bitumen-Flachdächern ohne Aufständerung ist der Bifacial-Effekt minimal. Hier rechnet sich Glas-Glas primär über die längere Garantie. Auf Trapezblech mit Aufständerung und auf Freiflächen sind die Mehrerträge deutlich.
Wie hoch ist das Mehrgewicht?
Glas-Glas-Module wiegen ca. 25 bis 30 kg, Glas-Folie 18 bis 22 kg. Bei Bestandsdächern muss die Statik geprüft werden.
Welche Hersteller sind Marktführer?
LONGi, Trina (Vertex N), Jinko (Tiger Neo), JA Solar, Q CELLS und Meyer Burger bieten 2026 Glas-Glas-Module mit 25 bis 30 Jahren Garantie.
Erhöhen Glas-Glas-Module den Versicherungswert?
Allgefahrenversicherungen bewerten Glas-Glas oft als geringeres Schadensrisiko und gewähren Prämiennachlässe. Die längere Garantie reduziert Modulwechselkosten im Schadensfall.
Hinweis: Allgemeine technische Information. Konkrete Modul-/Hersteller-Wahl sollte mit qualifiziertem Anlagenplaner abgestimmt werden.
