Die Financial Due Diligence (FDD) prüft die wirtschaftliche Substanz einer Solarpark-Investition. Sie geht über die reine Bewertung hinaus und kombiniert historische Cashflow-Analyse, OPEX-Plausibilisierung, Verschuldungs-Strukturen, steuerliche Risiken und Working-Capital-Bedarf.
Prüfungsumfang
- Cashflow-Historie 3–5 Jahre (Konto- und SAP/DATEV-Daten)
- OPEX-Struktur: O&M, Pacht, Versicherung, Direktvermarktung
- Bestehende Fremdkapital-Verträge und Covenants
- EEG-Abrechnungen mit Netzbetreiber
- Steuerliche Situation (KöSt, GewSt, USt)
- Latente Steuern aus Sonderabschreibungen
- Forderungsbestände, Working Capital
- Rückstellungen (Rückbau, Pacht-Endgeld, Garantien)
Cashflow-Analyse
| Cashflow-Komponente | Prüfung |
|---|---|
| EEG-/Marktprämie-Erlöse | Abgleich mit Netzbetreiber-Abrechnungen |
| Direktvermarktungs-Erlöse | Plausibilisierung gegen Marktwert Solar |
| OPEX | Vergleich mit Branchen-Benchmarks (1,2–1,8 ct/kWh) |
| Capex-Rückstellungen | Reserve für Wechselrichter-/Trafo-Tausch |
| Pachtzahlungen | Indexierungs-Bewegungen |
Häufige Findings
- OPEX-Posten in fragmentierten Buchungssystemen schlecht abgrenzbar
- Pachtverträge mit Indexierungs-Effekten, die in der Bewertung unterschätzt wurden
- Fehlende Rückstellungen für Wechselrichter-Tausch
- Steuerliche Altlasten aus Sonderabschreibungs-Nutzung
- Bilanz-Bewertung der Anlage unterhalb realer Marktwerte
Praxisbeispiel: 8-MWp-Solarpark
- FDD-Kosten: 55 T€ (durchgeführt durch Big-Four-WP)
- Auswertung 5 Jahre Cashflow: Werte konsistent, jedoch OPEX um 0,3 ct/kWh über Benchmark
- Fehlende Rückstellung Wechselrichter-Tausch: 320 T€ → Kaufpreis-Reduktion 280 T€
- Latente Steuern aus Sonderabschreibung: 145 T€ in Bewertung integriert
- Bankenmodell aktualisiert mit DSCR 1,42 (vorher 1,55)
Bedeutung für Bankenfinanzierung
- Cashflow-Modell der Bank
- DSCR-Berechnung
- Maximales Fremdkapital (LTV)
- Covenants im Kreditvertrag
- Mindest-Versicherungs-Deckung
FAQ Financial Due Diligence Solarpark
Wie unterscheidet sich FDD von der Bewertung?
Die Bewertung quantifiziert den Wert; die FDD prüft, ob die zugrunde liegenden Zahlen plausibel und vollständig sind.
Welche Daten werden im Data Room bereitgestellt?
Buchhaltungsdaten, EEG-Abrechnungen, Pachtverträge, Versicherungsbestätigungen, Steuerbescheide, Wartungsverträge.
Sind latente Steuern relevant?
Ja, besonders bei Anlagen mit Sonderabschreibungs-Nutzung. Latente Steuern müssen im Kaufpreis berücksichtigt werden.
Wie lange dauert eine FDD?
4 bis 8 Wochen für Einzelanlagen, 8 bis 16 Wochen für Portfolios.
Wer beauftragt die FDD?
Klassisch der Käufer. Bei Vendor Due Diligence der Verkäufer. Banken vertrauen oft auf bestehende DD-Reports, sofern banken-akkreditierte WP/Beratungsfirmen geprüft haben.
Hinweis: Allgemeine fachliche Information, keine Rechts-, Anlage- oder Versicherungsberatung. Konkrete Risiko-, Versicherungs- oder Governance-Fragen sollten mit qualifizierten Beratern (Versicherungsmakler, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Anwälte) abgestimmt werden.
