Photovoltaik-Glossar

EEG 2017 – Ausschreibungsmodell & Marktwende

💡 Definition & Kurzerklärung

Ab 750 kWp installierter Leistung mussten Solaranlagen in Ausschreibungen der Bundesnetzagentur bieten. Die niedrigsten Gebote erhielten den Zuschlag, der individuelle anzulegende Wert über die volle 20-Jahres-Förderdauer galt. Damit endete die einheitliche EEG-Vergütung für Großanlagen — stattdessen entstanden projektspezifische Tarife, die teils deutlich unter den klassischen EEG-Sätzen lagen.

Das EEG 2017, in Kraft seit 1. Januar 2017, markiert den Übergang vom rein subventionsbasierten zum wettbewerblichen Fördermodell. Es führte das Ausschreibungssystem für PV-Großanlagen flächendeckend ein und bestimmte damit die Vergütung über Markteffizienz statt politische Festlegung — der größte regulatorische Umbruch seit EEG 2000.

Kernreform: Ausschreibungsmodell

Ausschreibungsergebnisse 2017–2020

Ausschreibungsrunde Zugeschlagene Menge Mittlerer Zuschlagswert
Februar 2017 200 MWp 6,58 ct/kWh
August 2017 200 MWp 5,66 ct/kWh
Februar 2018 200 MWp 4,33 ct/kWh
Oktober 2019 500 MWp 5,47 ct/kWh
Dezember 2020 500 MWp 5,12 ct/kWh

Die Zuschlagswerte sanken systematisch — Ausdruck zunehmender Marktreife, fallender Modulpreise und intensiven Wettbewerbs zwischen Projektentwicklern.

Marktwirkung

Aufdachanlagen unter 750 kWp blieben unter der klassischen festen Vergütung — der Großanlagenbereich verschob sich vollständig in Richtung Ausschreibungslogik. Solarparks wurden professioneller, Projektentwicklung konsolidierte bei spezialisierten Unternehmen wie Encavis, BayWa r.e., Wattner und Enerparc. Der Markt unter 750 kWp wuchs bis 2020 stagnierend; Großanlagen-Volumina explodierten anschließend ab 2021.

Wirtschaftliche Folgen

Für gewerbliche Investoren entstanden zwei klare Segmente: Kleinere Anlagen unter 750 kWp mit klassischer EEG-Sicherheit und einfacher Wirtschaftlichkeitsrechnung; Großanlagen mit projektspezifischen Tarifen, höherer Komplexität in der Projektentwicklung und längerer Vorbereitungszeit. Die Ausschreibungspflicht wurde mit dem EEG 2021 nochmals verstärkt und ist seitdem der dominante Vergütungsmodus für alle Anlagen ab 1 MWp.

Bedeutung für die deutsche Solarindustrie

Das EEG 2017 hatte Schattenseiten für die deutsche Modulindustrie: Niedrigere Zuschlagswerte führten zu Preisdruck auf Hersteller, viele deutsche Modulwerke (SolarWorld, Q-Cells) gerieten in den Folgejahren in Insolvenz. Asiatische Hersteller (Trina, Jinko, LONGi, Q.CELLS in Korea) dominierten den Markt. Gleichzeitig professionalisierte sich der gesamte Bereich PV-Direktinvestment, Asset-Management und Projektfinanzierung erheblich.

Verwandte Begriffe

Ausschreibungsmodell Photovoltaik · EEG 2014 · EEG 2021 · EEG-Novellen Übersicht · Direktvermarktung · Marktprämie · Solarpark.

Häufige Fragen zum EEG 2017

Was war die wichtigste Reform des EEG 2017?

Die flächendeckende Einführung des Ausschreibungssystems für PV-Anlagen ab 750 kWp. Vergütung wurde marktwirtschaftlich statt politisch bestimmt.

Welche Vergütung erhalten Anlagen aus EEG-2017-Ausschreibungen heute?

Die individuell zugeschlagenen Werte zwischen 4,33 und 6,58 ct/kWh, festgeschrieben über 20 Jahre nach Inbetriebnahme — also bis 2037–2040.

Gilt das Ausschreibungsmodell auch für Aufdachanlagen?

Seit EEG 2017 für Anlagen ab 750 kWp Pflicht — EEG 2021 reduzierte die Schwelle auf 300 kWp. Heute (EEG 2025) gilt sie ab 1 MWp im Solar-II-Segment für Dachanlagen.

Welche Akteure dominieren den Ausschreibungsmarkt?

Spezialisierte Projektentwickler wie Encavis, BayWa r.e., Wattner, Enerparc, ABO Wind sowie zunehmend Versicherer und Pensionskassen als Investoren von Bestandsanlagen.

Markus Schebitz
🛡️ Expert Review

Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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