EEG 2000 – die Geburtsstunde des deutschen Solarmarkts
Das EEG 2000 trat am 1. April 2000 in Kraft und legte das Fundament für den deutschen Solarmarkt. Mit einer Mindesteinspeisevergütung von 99 Pfennig pro Kilowattstunde (50,62 ct/kWh) für PV-Strom über 20 Jahre garantierte es erstmals Investitionssicherheit — und löste damit eine Welle privater und gewerblicher Photovoltaik-Investitionen aus, die bis heute prägend ist.
Politischer Auslöser
Verabschiedet von der rot-grünen Bundesregierung unter Wirtschaftsminister Werner Müller und Umweltminister Jürgen Trittin, war das EEG 2000 die Antwort auf zwei Herausforderungen: den deutschen Klimaschutzbeitrag im Rahmen des Kyoto-Protokolls und den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Erneuerbaren-Industrie. Ergänzt wurde das Gesetz vom 100.000-Dächer-Programm der KfW, das zinsverbilligte Kredite für PV-Anlagen anbot.
Die Kernmechanik
| Merkmal | Regelung im EEG 2000 |
|---|---|
| Vergütung Photovoltaik | 99 Pf/kWh (50,62 ct/kWh nach Umrechnung 2002) |
| Vergütungsdauer | 20 Jahre + Inbetriebnahmejahr |
| Einspeisevorrang | verpflichtende Abnahme durch Netzbetreiber |
| Refinanzierung | EEG-Umlage auf alle Stromkunden |
| Degression | 5 % p. a. ab 2002 (planmäßige Vergütungssenkung) |
| Anwendungsbereich | alle PV-Anlagen ohne Größenbeschränkung |
Marktwirkung
Der PV-Markt sprang von 12 MWp installierter Leistung Ende 1999 auf 113 MWp Ende 2001 — fast eine Verzehnfachung in zwei Jahren. Erstmals wurden PV-Investitionen wirtschaftlich planbar: Anschaffungskosten von 8.000–12.000 €/kWp wurden über die 20-jährige Vergütung amortisiert. Es entstand die erste deutsche Solarindustrie mit Herstellern wie Q-Cells, Solarworld, Conergy und SolarFabrik.
Aus heutiger Sicht — Bestandsanlagen 2026
Die wenigen verbliebenen EEG-2000-Anlagen (Inbetriebnahme 2000/2001) sind bis Ende 2020/2021 aus der EEG-Förderung gefallen. Sie laufen seither in der sonstigen Direktvermarktung oder erhielten die Übergangsvergütung ab dem 21. Jahr. Wegen damaliger Modulqualität und Wechselrichter-Technologie liegen die Restkapazitäten heute typisch bei 75–85 % der Ausgangsleistung — viele Anlagen werden mittlerweile repowered.
Bedeutung für die EEG-Entwicklung
Das EEG 2000 war Modell für alle nachfolgenden Novellen — sein Bestandsschutz-Prinzip (jede Anlage erbt ihre Vergütung bei Inbetriebnahme) gilt bis heute. Spätere Reformen änderten Vergütungssätze und Modelle, ließen aber die ökonomische Grundarchitektur unberührt. Aus regulatorischer Sicht ist das EEG 2000 das erfolgreichste deutsche Energiepolitik-Instrument: Es schuf einen Milliardenmarkt ohne staatliche Direktsubvention, sondern über umlagefinanzierte Garantievergütung.
Verwandte Begriffe
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) · EEG 2004 · EEG 2009 · EEG-Vergütung · EEG-Umlage · EEG-Novellen Übersicht.
Häufige Fragen zum EEG 2000
Wie hoch war die PV-Vergütung im EEG 2000?
99 Pfennig pro Kilowattstunde — entspricht rund 50,62 ct/kWh nach Euro-Umstellung. Ungewöhnlich hoch nach heutigen Maßstäben, kompensierte aber die damaligen Anschaffungskosten von 8.000–12.000 €/kWp.
Welche Anlagen profitierten besonders?
Vor allem Privathaushalt-Aufdachanlagen 1–5 kWp aus dem 100.000-Dächer-Programm sowie erste landwirtschaftliche Großanlagen mit 30–100 kWp.
Laufen heute noch EEG-2000-Anlagen?
Ja, einzelne Bestandsanlagen mit Inbetriebnahme zwischen 2000 und 2003 erhalten teilweise noch die ursprüngliche Vergütung oder den Übergangstarif ab dem 21. Jahr.
War das EEG 2000 wirtschaftlich erfolgreich?
Ja — es schuf die Grundlage für den deutschen Solarmarkt und etablierte das Modell der staatlich garantierten Einspeisevergütung als europäisches Vorbild.
