Photovoltaik-Glossar

Capture Rate Photovoltaik

💡 Definition & Kurzerklärung

Capture Rate = Marktwert Solar / Phelix-DE-DA-Average × 100 %

Die Capture Rate bezeichnet das prozentuale Verhältnis zwischen dem realisierten Marktwert einer PV-Anlage und dem mittleren Strompreis im selben Zeitraum – üblicherweise dem Day-Ahead-Average (Phelix-DE-DA-Index). Sie ist der zentrale Indikator dafür, wie effizient eine Solaranlage am Strommarkt monetarisiert wird und damit ein Schlüsselparameter jeder Anlagenbewertung und DCF-Modellierung.

Berechnungsformel

Beispiel:

  • Marktwert Solar 2024: 64 €/MWh
  • Phelix-DE-DA-Average 2024: 78 €/MWh
  • Capture Rate: 82 %

Warum die Capture Rate sinkt

PV produziert vor allem in den Mittagsstunden – und drückt damit selbst den Marktpreis (Merit-Order-Effekt). Mit jedem zusätzlich installierten GWp an PV-Leistung sinkt der Mittagspreis weiter, während der Abendpreis (wenn die Sonne untergeht) hoch bleibt. Da der Marktwert Solar nur die Mittagsstunden gewichtet, fällt er stärker als der Tagesdurchschnitt.

Historische Entwicklung Deutschland

Jahr Installierte PV-Leistung Capture Rate Solar
2018 45 GWp 95 %
2020 54 GWp 91 %
2022 67 GWp 88 %
2024 89 GWp 82 %
2025 e 108 GWp 78 %
2030 p 215 GWp 65–70 %

Cannibalization-Effekt

Der dynamische Cannibalization-Effekt beschreibt das Phänomen, dass jede zusätzliche PV-Anlage den eigenen Erlöswert reduziert. Studien des Fraunhofer ISE und Aurora Energy Research zeigen: Mit Verdopplung der installierten PV-Leistung sinkt die Capture Rate strukturell um 8–12 Prozentpunkte – entscheidend für die DCF-Modellierung über 20+ Jahre.

Mitigation-Strategien

  • Batteriespeicher-Integration: Lastverschiebung in Abendstunden, dort höhere Spotpreise. Capture-Rate-Gewinn 10–25 Prozentpunkte
  • Ost-/West-Ausrichtung: verflacht das Tagesprofil, höhere Capture Rate als Süd-Ausrichtung
  • Tracker-Systeme: erweiterte Stundenabdeckung, leichte Capture-Rate-Verbesserung
  • Sektorkopplung / Wärmepumpen / E-Mobilität: Nachfragestimulation in PV-Stunden
  • PPA-Strategien: Capture-Rate-Risiko an Off-taker abgeben

Praxisbeispiel: 10-MWp-Park mit/ohne Speicher

Annahmen: Capture Rate ohne Speicher 78 %, mit Speicher 88 %; Marktwert-Solar-Basis 65 €/MWh:

  • Ohne Speicher: Marktwert = 65 €/MWh – bei 10,5 GWh/Jahr = 682.500 € Bruttoerlöse
  • Mit 5-MWh-Speicher: Marktwert = ca. 73 €/MWh – bei 10,5 GWh/Jahr = 766.500 € Bruttoerlöse
  • Mehrerlös: 84.000 €/Jahr
  • Speicher-Investition: ca. 1,2 Mio. € (bei 240 €/kWh)
  • Amortisation: rund 14–15 Jahre (vor Steuern)

Bedeutung für die Bewertung

In professionellen DCF-Modellen wird die Capture Rate dynamisch über die Laufzeit modelliert – z. B. linear sinkend von 78 % (2025) auf 65 % (2040). Eine konstante Annahme würde den Cashflow systematisch überschätzen. Banken und institutionelle Investoren verlangen 2026 entsprechende Capture-Rate-Pfade in jedem Investment-Memorandum.

FAQ Capture Rate Photovoltaik

Warum ist die Capture Rate < 100 %?

PV produziert genau in den Stunden, in denen die eigene Erzeugung den Spotpreis drückt. Der mittagsgewichtete Marktwert liegt daher strukturell unter dem Tagesdurchschnitt.

Wie hoch ist die Capture Rate für Wind im Vergleich?

Onshore-Wind erreicht 85 bis 92 Prozent, Offshore-Wind 90 bis 95 Prozent. Wind verteilt seine Produktion gleichmäßiger über den Tag und vermeidet damit den extremen Mittags-Effekt.

Wie wirkt sich ein Batteriespeicher aus?

Speicher verschiebt PV-Strom von preisarmen Mittagsstunden in teurere Abendstunden und kann die Capture Rate um 10 bis 25 Prozentpunkte heben, abhängig von Kapazität und Betriebsstrategie.

Gibt es regionale Unterschiede in Deutschland?

Innerhalb der deutschen Strompreiszone (eine einheitliche Gebotszone) gelten gleiche Preise. Bei einer möglichen Zonenteilung würde sich das ändern.

Welche Capture Rate sollte man in DCF-Modellen ansetzen?

Marktstandard 2026: konservative Basis 75 bis 78 Prozent in den nächsten 3 bis 5 Jahren, dann linear sinkend auf 65 bis 70 Prozent bis 2035. Sensitivitäten ±5 Prozentpunkte sind essenziell.

Hinweis: Allgemeine fachliche Information, keine Anlageberatung. Strommarkt-Mechanismen verändern sich regulatorisch laufend – aktuelle Werte und Verträge sollten mit qualifizierten Energiehändlern, Bankenpartnern und Steuerberatern abgestimmt werden.

Verwandte Begriffe

Markus Schebitz
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Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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