Photovoltaik-Glossar

Allgefahrenversicherung Photovoltaik

💡 Definition & Kurzerklärung

Bei Bankenfinanzierung verlangen Geschäftsbanken und die KfW typischerweise:

Die Allgefahrenversicherung (auch Elektronik-/Maschinen-Allgefahrenversicherung genannt) ist die Standard-Sachversicherung für Photovoltaikanlagen ab 30 kWp. Sie deckt nach dem »all risks«-Prinzip alle Schäden, die nicht explizit ausgeschlossen sind – im Gegensatz zur klassischen Sachversicherung mit Einzelgefahren-Liste. Für institutionelle PV-Direktinvestments ist sie 2026 Banken-Standard.

Typischer Deckungsumfang

  • Feuer, Blitz, Explosion, Implosion
  • Sturm, Hagel, Schneedruck, Lawinen
  • Diebstahl, Vandalismus, Einbruch
  • Überspannung, Kurzschluss, Induktion
  • Bedienungsfehler, Konstruktionsfehler, Material- & Ausführungsfehler
  • Tier-/Marder-/Nagetier-Schäden
  • Folgeschäden an Trafo, Wechselrichter, Modulen
  • Schäden durch Verschmutzung, Reinigung (eingeschränkt)

Ausschlüsse

  • Vorsätzliche Beschädigung durch Betreiber
  • Verschleiß, Korrosion, Alterung
  • Schäden durch fehlende Wartung
  • Krieg, Kernenergie, Terrorismus (Sonderdeckung möglich)
  • Schäden durch fehlerhafte Montage (außer mitversichert)

Prämien-Bandbreiten 2026

Anlagentyp Prämie / kWp / Jahr
Privat-Aufdach < 30 kWp 4–7 €
Gewerbe-Aufdach 30–500 kWp 3–5 €
Großdach 500 kWp – 1 MWp 2,5–4 €
Freifläche > 1 MWp 2–3,5 €
Co-Location PV + BESS 3–5 €

Praxisbeispiel: 500-kWp-Gewerbedach

  • Versicherungssumme: 480 T€ (Wiederbeschaffungswert)
  • Jahresprämie inkl. Steuer: 1.850 €
  • Selbstbehalt: 500 € je Schadensereignis
  • Ergänzende Ertragsausfallversicherung: 320 €/Jahr
  • Gesamtversicherungskosten: ca. 0,4 % der Investitionssumme p. a.

Banken-Anforderungen

  • Allgefahrenversicherung als Mindeststandard
  • Versicherungssumme zum Wiederbeschaffungswert
  • Banken-Sicherungsschein: Versicherer zahlt im Schadensfall direkt an die Bank
  • Ertragsausfall-Deckung über mindestens 12 Monate
  • Versicherungsbestätigung jährlich nachzureichen

FAQ Allgefahrenversicherung Photovoltaik

Was unterscheidet Allgefahren von Sachversicherung?

Bei Allgefahren sind alle Schäden gedeckt, die nicht explizit ausgeschlossen sind. Klassische Sachversicherungen listen die gedeckten Gefahren auf – mit größeren Lücken.

Wie hoch ist die Selbstbeteiligung?

Typisch 250 bis 2.500 Euro je Schadensereignis, je nach Anlagengröße und Tarif. Höhere Selbstbehalte reduzieren die Prämie um 5 bis 15 Prozent.

Ist Bedienungsfehler mitversichert?

Ja, in den meisten Tarifen. Vorsatz bleibt ausgeschlossen.

Was kostet Versicherung bei Co-Location PV + Speicher?

2026 typisch 3 bis 5 Euro pro kWp Solar plus 6 bis 12 Euro pro kWh Speicher pro Jahr. Speicher haben höhere Prämien wegen Brandrisiko.

Welche Versicherer sind etabliert?

Bei deutschen Großanlagen: HDI, Mannheimer, Allianz Versicherungs-AG, Württembergische, Tokio Marine HCC, Munich Re Specialty. Im Privatsegment: Helvetia, NV-Versicherungen, AXA.

Hinweis: Allgemeine fachliche Information, keine Rechts-, Anlage- oder Versicherungsberatung. Konkrete Risiko-, Versicherungs- oder Governance-Fragen sollten mit qualifizierten Beratern (Versicherungsmakler, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Anwälte) abgestimmt werden.

Verwandte Begriffe

Markus Schebitz
🛡️ Expert Review

Markus Schebitz

Lead Analyst, SunShine Research & PV-Experte

Markus Schebitz ist leitender Analyst von SunShine Research. Er bewertet regulatorische Entwicklungen im Bereich Photovoltaik-Direktinvestments, gewerbliche PV-Projekte und steuerliche Aspekte wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB).

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